Lateinamerika - länderübergreifend

Mitmachen macht Mut – Kinder für mehr Gleichberechtigung

„Ruta participativa“ - MamMut – Der Lernparcour zur Gewaltprävention gegen Mädchen und Frauen

Mehr als 12.500 Mädchen und Jungen aus Bolivien, Ecuador, Paraguay, Peru, Honduras und Deutschland haben bereits den Lernparcours „MamMut – Mitmachen macht Mut. Gemeinsam gegen Gewalt“  absolviert und so gelernt „Nein!“ zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu sagen.

Jungen und Mädchen demonstrieren mit ihren Schildern gegen Gewalt.

 
Männer weinen nicht und Frauen machen den Haushalt? Jungs sind stark und unkontrollierbar, Mädchen schwach und brav? Es wird Zeit mit diesen Stereotypen endlich aufzuräumen! Denn diese führen dazu, dass die ungleichen Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern und Gewalt gegen Frauen auch später im Erwachsenenalter als Normalität akzeptiert werden: Das Papa die Mama ab und zu haut, ist normal? Das Mama ständig weint, weil Papa sie anschreit gehört dazu?

Im Auftrag des Bundesminsteriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat das Regionalprogramm ComVoMujer – Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika“ mit Unterstützung des Sektorvorhabens „Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten in der EZ“ von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH einen Lernparcours für Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren entwickelt, um langfristig Gewalt zu verhinden.

Puppenspiel gegen Gewalt

 

Kinder haben noch keine festgefahrene Vorstellung von Geschlechterrollen und können in diesem Alter noch spielerisch lernen, was Gleichberechtigung und Respekt bedeuten. Studien zeigen außerdem, dass Mädchen immer früher geschlechtsspezifische Gewalt erleben, deswegen ist es wichtig mit der Prävention von Gewalt gegen Frauen schon im Kindesalter zu beginnen“, sagt Dr. Maria-Nieves Alvarez, Leiterin des Sektorvorhabens „Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten in der EZ“.

In fünf aufeinander folgenden Stationen lernen Kinder, wie Dynamiken von Gewalt, Diskriminierung und ungleichen Geschlechterbeziehungen funktionieren, sodass sie am Ende Gewalt gegen Frauen als normal oder gar notwendig ablehnen.

„Der Parcours zielt darauf ab, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, Selbstschutzmechanismen zu fördern und über Hilfsangebote zu informieren – Grundlagen jeglicher Präventionsarbeit. Und schließlich macht er die Notwendigkeit und Wichtigkeit deutlich, sich Hilfe zu suchen“, unterstreicht Christian Luy, Projektleiter im Vorhaben „Unterstützung der Dezentralisierungsprozesse im Bildungssektor in Honduras (APRODE)“, Honduras.

Begleitet wird der Parcours von speziell ausgebildeten Lernbegleiter*innen, die die Kinder darin unterstützen und anleiten. Mittlerweile wurden insgesamt 1.300 Lernbegeiter*innen ausgebildet – eine Zahl, die aufgrund des Erfolgs des Parcours stetig wächst.

„Meiner Meinung nach sollte es den Lernparcours auf der ganzen Welt geben. Wenn ich mir die Genderstereotype anschaue und auf welch intelligente Weise sie in dem Parcours dekonstruiert werden, dann muss das Projekt noch ausgeweitet werden“, erklärt Frau Prof. Dr. Heidrun Schulze von der Hochschule RheinMain, die den Parcours von Lateinamerika nach Deutschland holte und in Seminaren Lernbegleiter*innen ausbildet.

MamMut lässt sich auch in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexte anwenden: Mit kleinen Anpassungen kann der Parcours sowohl in formellen als auch alternativen Bildungsinstitutionen sowie in städtischen und ländlichen Regionen durchgeführt werden.

Der Parcours ist zudem effizient und kostengünstig: Mehr als 100 Kinder können an einem Tag mit elf Lernbegleiter*innen erreicht werden. Damit kann der Parcours auch in Institutionen mit geringen finanziellen Mitteln eingesetzt werden.

Ausgebildete Trainer*innen nach ihrem Workshop


Aufgrund der hohen Nachfrage des pädagogischen Konzepts, gibt es MamMut in Lateinamerika mittlerweile sogar als App für Tablets und kann von jeder und jedem unter https://play.google.com/store/apps/details?id=com.vyeia.rutaparticipativa heruntergeladen werden. In Kürze soll eine Version für Deutschland folgen.

Die Lernbegleiter*innen und Professor*innen sind sich einig – der Parcours hilft den Kindern Gewalt zu erkennen und gibt ihnen Werkzeuge an die Hand, wie sie sich gegen Gewalt wehren können. Auch die Kinder wissen, was sie gelernt haben: „Ich habe gelernt, dass man Respekt haben muss, nicht schlagen darf und überhaupt ‚Nein zur Gewalt‘ sagen muss!“, fasst ein Schüler seine Erfahrungen nach dem Parcours zusammen.

 

Weitere Informationen:

Projekt: Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika (ComVoMujer) www.giz.de/de/weltweit/12205.html

Website des Programms: www.mujereslibresdeviolencia.usmp.edu.pe 

Facebook: www.facebook.com/canallibre.deviolencia 
Youtube : www.youtube.com/user/ComVoMujer
Twitter: www.twitter.com/ComVoMujer 

 

Kontakt:

Christine Brendel
christine.brendelgiz.de

Stand: Februar 2017

Bildergalerie

Logo - Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Video: „Ruta participativa“ - MamMut

 

 

Das Video erklärt anschaulich die fünf Stationen des Lernparcours
[Spanisch mit deutschem Untertitel]