Honduras

„Unsere Meinung ist ein wertvoller Schatz!"

Honduranische Kinder stellen ihre nationale Verordnung zur Schülerbeteiligung vor

Lisagni, 13 Jahre, stellt Forderungen zur Schülerbeteiligung vor einem großen Publikum vor | © APRODE GIZ

Am 11.06.2018 kam der Tag, auf den die Kinder aus sieben Bezirken in Honduras eineinhalb Jahre hingearbeitet hatten: endlich konnten sie die von ihnen selbst erarbeitete nationale Verordnung zur Schülervertretung in Honduras vorstellen. Dazu waren die 9 bis 14-jährigen Schülerinnen und Schüler aus vielen Teilen des Landes in die Hauptstadt Tegucigalpa gereist und präsentierten ihr Regelwerk vor einem Publikum von mehr als 360 Personen. Darunter waren neben der honduranischen Vize-Präsidentin, dem Bildungsminister und der Präsidenten-Gattin weitere Gäste aus der Politik, Medien, NGOs und Internationaler Kooperation sowie Schüler und Lehrkräfte.

Die nationale Verordnung zur Schülerpartizipation ist ein wichtiger Meilenstein für ein Land wie Honduras, in dem das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschränkt wird und politische Aktivist/innen und Menschenrechtsverteidiger/innen verfolgt werden. Auch für die honduranische Bildungspolitik ist die Verordnung ein Erfolg, denn das Kinderrecht auf Partizipation findet im autoritär geprägten Bildungssystem kaum Berücksichtigung. Anders als bisherige Verordnungen wurde diese nicht von Erwachsenen fern ab von der Realität am Schreibtisch oder Sitzungssaal entwickelt. Kinder und Jugendliche waren die Hauptakteure des Erstellungsprozesses. Insgesamt waren 400 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 22 Jahren aus den Bezirken Copán, Choluteca, Cortés, Olancho, Francisco Morazán, Gracias a Dios und Intibucá beteiligt.

Die Hauptakteure des Projekts war eine Kerngruppe von Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren aus 7 Regionen des Landes | © APRODE GIZ

Nach den Prinzipien der partizipativen Forschung mit Kindern führten die beteiligten Schülerinnen und Schüler Videointerviews und Umfragen mit anderen Kindern durch oder veranschaulichten in Rollenspielen und Collagen, wie sie sich Schülerpartizipation in honduranischen Schulen vorstellen. Auf der Basis der Ergebnisse formulierten die kleinen Forscherinnen und Forscher aus ihrer Perspektive und Erfahrungsschatz und in ihren eigenen Worten eine nationale Verordnung zur Schülermitverwaltung. Sie selbst führten auch die Validierung der Verordnung in Schulen durch.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. In insgesamt zehn Kapiteln haben die teilnehmenden Kinder Ziele, Prinzipien, Funktionen, Struktur, Wahlprozess und Arbeitsweise der Schülermitverwaltung festgelegt. Sie haben auch definiert, wie Schüler und Schülerinnen überregional und national in Zukunft repräsentiert werden. Unterstützt wurden sie dabei von einem Team aus erwachsenen Fachkräften aus den Bereichen Bildung, Recht und Kinderrechten.

Initiiert wurde dieses Projekt zur Stärkung der Kinderrechte und Schülerpartizipation vom honduranischen Bildungsministerium mit der Unterstützung des GIZ-Programms „Unterstützung der Dezentralisierungsprozesse im Bildungssektor Honduras (APRODE)“, der honduranischen NGO COIPRODEN, der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi und UNICEF. Maßgeblich für das Projekt war die fachliche und methodische Beratung des GIZ-Programms APRODE im Bereich Kinderrechte und kinderrechtsbasierte Forschungsmethoden.

Der honduranische Bildungsminister Marcial Solís unterzeichnet die Nationale Verordnung in Anwesenheit der Präsidentengattin Ana Hernández | © APRODE GIZ

Das endgültige Dokument der Verordnung wurde von der Rechtsabteilung des Bildungsministeriums geprüft und in einer kindergerecht illustrierten Version aufgearbeitet. Auf der großen, öffentlichen Veranstaltung am 11.06.2018 stellten die Schülerinnen und Schüler ihr nationales Regelwerk stolz und überzeugend dem honduranischen Bildungsminister Marcial Solís, der First Lady Ana García Hernández und der Vizepräsidentin Olga Alvarado vor. Der Bildungsminister erkannte die Verordnung mit seiner Unterschrift offiziell an. Somit wird sie ab sofort landesweit an den 23.000 Schulen des Landes umgesetzt.

Laut Melvin, einem 11jährigen Jungen, der am Projekt beteiligt war, sind schon erste Auswirkungen spürbar: „Wir haben das Gefühl, dass die Erwachsenen uns nun zuhören, wenn wir unsere Meinung äußern und uns bei der Umsetzung unserer Initiativen unterstützen. Wir wollen gemeinsam für die Schule unserer Träume arbeiten.“ Auch die Vertreter der Regierung, Zivilgesellschaft und internationaler Organisationen zeigten sich begeistert von dem neuen Regelwerk. Die Präsidentengattin Ana Hernández äußerte sich folgendermaßen: „Diese nationale Verordnung hat gefehlt. Wir wussten bisher, wie die Schülervertretungen gewählt werden. Nun haben wir aber auch einen Rahmen, um deren Arbeit in den Schulen zu strukturieren. Es ist sehr wichtig, dass die Kinder schon in der Schule von ihren Rechten Gebrauch machen und in demokratischer Form teilhaben.“

Mit der Zusage zur landesweiten Implementierung der Verordnung durch den Bildungsminister haben die Kinder ihr erklärtes Ziel erreicht, in Honduras das Kinderrecht auf Beteiligung umzusetzen und die Partizipation von Kindern in Entscheidungsprozessen in Schulen zu erhöhen. Denn eins haben sie in dem Projekt immer wieder betont und in ihrer Verordnung festgehalten: „Kinder und Jugendliche haben eine Stimme und etwas zu sagen. Unsere Meinung ist ein wertvoller Schatz!”

Die von den Kindern erstellte Verordnung wird landesweit in 23.000 Schulen implementiert.

Das Projekt

Gegen Gewalt und Mobbing

Das GIZ Bildungsprogramm APRODE zeigt, wie der Kinderrechtsansatz in der Praxis Anwendung finden kann. Über 400 Kinder aus neun repräsentativen Bezirken Honduras definieren, wie sie sich die Schülermitbestimmung im Rahmen der Schülermitverwaltungen vorstellen und erarbeiten hierfür mit dem Bildungsministerium eine nationale Verordnung.Mehr