Libanon

Stärkung der sozialen Stabilität im Chouf Distrikt

© Jakob Studnar

Ein großer Teil der Flüchtlinge aus Syrien haben im Libanon Zuflucht gesucht. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind während oder nach der Flucht von einer Vielzahl von Rechtsverletzungen betroffen. Zudem sind viele Mädchen und Jungen durch den Bürgerkrieg traumatisiert. Teilweise haben sie ihre Familienmitglieder verloren. Die kriegerische Auseinandersetzung in Syrien und die Flucht haben dazu geführt, dass viele ihre schulische Bildung unterbrechen mussten und sogar ganze Schuljahre verpasst haben.

Kinder aus Syrien haben deshalb und aufgrund vieler anderer Barrieren wie etwa fehlende Fremdsprachkenntnisse, Schwierigkeiten, sich in dem libanesischen Schulsystem zu integrieren. Außerdem leiden viele Flüchtlingsfamilien unter den Folgen von Armut. Hierbei sind die Kinder besonders benachteiligt. Für die Syrerinnen und Syrer ist es nicht einfach, einen Arbeitsplatz im Libanon zu finden. Ohne Geld können sie sich keine Schulmaterialien oder Schuluniformen für die Kinder leisten. Der Zugang zum Schulunterricht wird durch die Entfernung zwischen den Schulen und den Familienunterkünften zusätzlich erschwert. Die Familien können sich die Wohnungsmiete nicht immer leisten und ziehen daher oft um oder müssen in bestimmten Bezirken bleiben, die entfernt von Schulen sind. Die Kinder haben Angst, dass sie nach Syrien zurück müssen.

Die Kindernothilfe leistet einen Beitrag zur Stärkung der sozialen Stabilität der syrischen Flüchtlingsfamilien in der libanesischen Gebirgsregion Chouf. Psychosoziale Betreuung und Bildungsperspektiven für Kinder und Jugendliche werden im Kinderschutzzentrum und durch sozialarbeiterische Betreuung der Familien im Rahmen des Projekts gegeben.

Ziele und Aktivitäten

Das Projekt zielt auf Stabilisierung des Landes und Milderung der Auswirkungen des syrischen Konfliktes im Libanon ab. Das von der Kindernothilfe unterstützte Projekt trägt dazu bei, dass die soziale Situation von 2.000 Haushalten stabilisiert wird. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die gemeindebasierte und aufsuchende Beratung im Kinderschutzzentrum und bei den Familien zuhause.

Kinder im Schulalter erhalten über die Förderung der Kindernothilfe die Gelegenheit, an formalen und non-formalen Bildungsangeboten teilzunehmen. Außerdem werden sie in Kinderschutzzentren auf den Schulalltag vorbereitet. Viele der Flüchtlingskinder sind traumatisiert und erhalten bei Bedarf zunächst eine psychosoziale Betreuung. Mit der Unterstützung von Sozialtherapeutinnen und Sozialtherapeuten können die Kinder wieder zur Schule gehen. Lehrerinnen und Lehrer werden von von der lokalen Partnerorganisation der Kindernothilfe fortgebildet, damit sie die Traumata besser erkennen und den Kindern eine geeignete psychosoziale Betreuung vermitteln können. Durch das Angebot von beruflicher Bildung werden den Jugendlichen Lebensperspektiven ermöglicht.

Erfolge und Herausforderungen

Die Anzahl der syrischen Kinder, die Zugang zum libanesischen Schulsystem erhalten haben, ist deutlich gestiegen. Die Situation der Kinder und Jugendlichen wurde durch die Bildungsmaßnahmen und die psychosoziale Betreuung verbessert. Zudem wurde die soziale Stabilität der Region erhöht.

Im Jahr 2016 konnte das Projekt große Erfolge verbuchen: Beispielweise konnten 929 syrische Flüchtlingskinder durch die Übernahme der monatlichen Schul-Transportkosten am Unterricht in libanesischen Schulen teilnehmen. Außerdem ist die Anzahl der Kinder, die im Distrikt für den Nachmittagsunterricht angemeldet sind, insgesamt um 30 Prozent gestiegen. 432 Schulkinder wurden an 20 Schulen im Chouf Distrikt in Gruppen- und Einzelangeboten betreut und durch psychosoziale Therapie unterstützt. Das Projekt stellte außerdem 21 öffentlichen Schulen, die syrische Flüchtlingskinder unterrichten, verschiedene Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung (z. B. neue Schülerpulte, Stühle, Beamer, Laptops, Whiteboards, Fotokopierer und Heizöfen). 155 Schüler / innen im Vorschulalter haben am non-formalen gemeindebasierten zwölfmonatigen Lernprogramm, orientiert an den Curricula des libanesischen Bildungsministeriums, teilgenommen.

Eine Herausforderung besteht darin, dass die Kinder an psychosozialen Angeboten gleichberechtigt teilhaben können. Die Analyse der Daten ergab, dass 50 Prozent mehr Jungen als Mädchen solche Angebote wahrnehmen. Aus diesem Grund wird das Lehrpersonal für geschlechtsspezifische Disparitäten sensibilisiert, damit mehr Mädchen auf die therapeutischen und betreuerischen Angebote zugreifen können.

Ansprechpartner

Kindernothilfe e. V.

Düsseldorfer Landstraße 180
47249 Duisburg

Christine Idems
T: +49 203 / 77 89 205
E: christine.idemskindernothilfe.de
www.kindernothilfe.de

GIZ - Sektorprogramm „Menschenrechte einschließlich Kinder- und Jugendrechte umsetzen in der Entwicklungszusammenarbeit“

Friedrich-Ebert-Allee 36 + 40
53113 Bonn

Telefon +49 228 4460-3797
infokinder-und-jugendrechte.de