Indonesien

„Don’t pollute my future“! Kinder und Jugendliche in Indonesien fordern ihr Recht auf eine gesunde Umwelt

von Felicitas Eser und Nadine Kirchenbauer

“It is time to act and not only talk!” Kinder und Jugendliche setzen sich weltweit für eine nachhaltige Zukunft, für einen gesunden Planeten ein. Sie engagieren sich – ob auf internationaler oder lokaler Ebene. Sie reichen erfolgreich Klimaklagen ein, wie in Kolumbien oder den Niederlanden. Zuletzt richteten sich Greta Thunberg und 15 weitere Kinder sogar direkt an den Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen. Diese Entwicklungen zeigen: es ist längst Zeit zu handeln – auch in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit! Seit letztem Jahr fördert das GIZ Sektorprogramm „Menschenrechte inklusive Kinder- und Jugendrechte umsetzen in der Entwicklungszusammenarbeit“ im Auftrag des BMZ Menschenrechtsreferats gezielt Maßnahmen zu Kinderrechten im Kontext von Umwelt und Klima.

„Don’t pollute my future!“, so formulierten es Kinder in Indonesien passend auf einem Workshop zum Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt. Der Workshop wurde unterstützt vom GIZ Sektorprogramm „Menschenrechte inklusive Kinder- und Jugendrechte umsetzen in der Entwicklungszusammenarbeit“. Außerhalb von Jakarta, im Grünen, kamen vom 22. bis 24. Oktober 100 Expert*innen aus der Region Ostasien-Pazifik zusammen. Die Hälfte war unter 18 Jahre alt. Unter dem Slogan #MyPlanetMyRights diskutierten Kinder und Jugendliche mit staatlichen Akteuren, internationalen und regionalen Organisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über ihre aktive Teilhabe als „Agents of Change“ in der Umwelt- und Klimapolitik in der Region. Mit dabei waren Kinder und Jugendliche aus Malang City (Indonesien). Sie sind Teil des Pilotprojekts „GENSALIM“ – umweltbewusste Generation. Es wird vom BMZ Menschenrechtsreferat über das GIZ Sektorprogramm gefördert und vom GIZ Vorhaben PAKLIM vor Ort umgesetzt. Gemeinsam wurde heiß diskutiert!

Live zugeschaltet aus New York war David Boyd, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt. Er nahm die Teilnehmer*innen mit auf eine Reise von der Natur seiner Heimat Kanadas bis auf UN-Ebene und erklärte „the bigger picture“:

The bigger picture!

Abholzung, Luft- und Wasserverschmutzung, giftige Chemikalien, kontaminierte Lebensmittel, Klimakatastrophen – die Liste wird lang, denkt man an Umwelt- und Klimarisiken für Kinder und Jugendliche. Studien belegen:Kinder und Jugendliche sind die am meisten gefährdete Gruppe! Umweltschäden verletzen die Kinderrechte auf Schutz, Entwicklung und Partizipation maßgeblich. Um diese Herausforderungen anzugehen, startete 2019 die Globale Initiative zum Recht auf eine gesunde und nachhaltige Umwelt für Kinder und Jugendliche unter der Schirmherrschaft des UN-Sonderberichterstatters David Boyd. Durchgeführt wird sie von terre des hommes Deutschland.DasBMZ Menschenrechtsreferat unterstützt die weltweite Initiative aktiv durch das GIZ Sektorprogramm und finanzierte den Workshop in Indonesien. Zu weiteren Kooperationspartnern gehören Child Rights Connect, Global Child Forum, Project Dryad, UNICEF, UN Environment, UNESCO, WWF. Ziel der Initiative ist die Etablierung des Rechts auf eine gesunde Umwelt für Kinder und Jugendliche. Die Initiative besteht aus einer Reihe regionaler Konsultationen weltweit. In Kolumbien und Indonesien fanden die Workshops schon statt. Weitere folgen in Afrika, Nordamerika und Europa. Dabei werden Kinder und Jugendliche und wichtige Stakeholder zusammengebracht, um konkrete Lösungen zu finden, wie Kinderrechte angesichts von Umweltproblemen gewahrt werden können. 2021 werden die gesammelten Praktiken und Ansätze dem Kinderrechtsausschuss vorgestellt.

Die Chancen für die Etablierung eines solchen Rechts stehen gut. Dieses Jahr wird die UN- Kinderrechtskonvention 30 Jahre alt. Sie thematisiert Umweltfragen bereits im Recht auf Bildung (Art. 29) und Recht auf Gesundheit (Art. 24). Ferner hat eine Erhebung des UN-Sonderberichterstatters ergeben, dass mehr als 100 Länder weltweit das Recht auf eine gesunde Umwelt in ihren Verfassungen verankert haben. Expert*innen sind sich einig: Staaten haben eine besondere Schutzpflicht gegenüber Kindern, wenn Rechtsverletzungen durch starke Umwelteingriffe drohen. Das betrifft sowohl unsere Partnerländer als auch Deutschland.

What’s next? Die Zeit drängt!

Die Kinder und Jugendlichen auf dem Workshop in Indonesien sprühten nur so von Ideen: „Plant one tree for every child!“, hieß es von den Teilnehmenden aus Kambodscha. „Stop using single-use plastic!“, forderten die Kinder aus Samoa, Indien und Indonesien. Die thailändischen Teilnehmenden wollen bei der Bewusstseinsbildung von Erwachsenen ansetzen. Alle sind sich einig: Plastik und Müll muss reduziert werden und Umweltbildung in den Schulen aktiver und partizipativer sein. Jugendliche berichteten von massiven Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Abholzung und Rohstoffabbau in ihren Dörfern. Staaten müssen Kinderrechte besser schützen und umsetzen. Zivilgesellschaft und Wissenschaft müssen sich stärker zu den Themen Kinderrechte und Umwelt vernetzen, austauschen und voneinander lernen. Auch Unternehmen müssen in diese Debatte eingebunden werden und ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachkommen.

In einem abschließenden „all female“-Panel diskutierten Vertreterinnen des indonesischen Umwelt- und Frauenministeriums mit einer jungen indonesischen Aktivistin sowie der Zivilgesellschaft über die Herausforderungen in Indonesien. Dabei ging es, um Dunst- und Rauchwolken durch Waldbrände aber auch vielversprechende Ansätze wie „Eco-schools“ oder „Child fora“ auf Provinzebene, die sich für die Belange von jungen Menschen einsetzen. Präsentationen der Ombudsfrauen aus Australien und Malaysia zeigten ähnliche Herausforderungen und Ansätze auf.

Die Diskussion zeigt, erste Weichen in der Region sind gestellt, aber es gibt noch viel zu tun und die Zeit drängt, wie uns die Jugendlichen aus Samao erinnern: „We could lose our roots, our culture, if Samoa is sinking“. Um es in den Worten der jungen Teilnehmer*innen Teilnehmer zu sagen:
„It‘s time to act and not only talk!“

Kontakt

GIZ - Sektorprogramm „Menschenrechte einschließlich Kinder- und Jugendrechte umsetzen in der Entwicklungszusammenarbeit“

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