Indien

Mädchen und Frauen stärken

In den 20 entlegenen Dörfern des Projektgebiets der Distrikte Tonk und Ajmer sind Mädchen und Frauen, im Vergleich zu den umliegenden Distrikten des Bundesstaates Rajasthan extrem benachteiligt, fast 75 Prozent sind Analphabetinnen. Von den eingeschulten Mädchen brechen rund 30 Prozent den Schulunterricht nach der dritten Klasse ab. Aufgrund des Rollenverständnisses wird die schulische Lernbereitschaft der Mädchen schon früh unterbunden und gestört. Die Mehrheit der Mädchen ist vor Vollendung des 15. Lebensjahres verheiratet, oftmals gegen ihren Willen. Ein großes Problem ist die in der Region von Jahr zu Jahr zunehmende Abtreibung weiblicher Föten, ein illegales, doch lukratives Geschäft für Ärzte und mobile Ambulanzen. Während im Durchschnitt in Indien auf 1.000 Jungen 914 Mädchen kommen, sind es in Rajasthan nun noch 883 Mädchen

Da die ohnehin knappen Ressourcen der Haushalte in erster Linie auf die männlichen Mitglieder verteilt werden, leiden die meisten Frauen und Mädchen unter Mangel- und Fehlernährung und haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen, medizinischen Diensten oder Medikamenten. Vor allem bei  Komplikationen in der Schwangerschaft, der nachgeburtlichen Versorgung und der Pflege und Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern leiden die Frauen unter der mangelhaften medizinischen Versorgung.

Körperliche Züchtigung zu Hause und in der Schule, Kinderarbeit und Kinderheiraten sind ebenfalls verbreitete Kinderrecht sverletzungen.

Ziele und Aktivitäten

Ziel des Projektes ist die Verwirklichung der Kinderund Frauenrechte in 20 Dörfern des Bundesstaates Rajhastan: Der Schwerpunkt der Projektarbeit liegt auf der Grundbildung von Kindern, insbesondere von Mädchen (Millennium Development Goal/MDG 2), der Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Rechte von Frauen (MDG 3) sowie der Verbesserung der Gesundheit von Müttern (MDG 5). Die Aktivitäten zu den Projektschwerpunkten flankieren die bestehende Gesetzgebung und die bereits aufgelegten staatlichen Programme. Strategisches Ziel ist die Stärkung der Selbsthilfekräfte und aktiven Teilhabe von Frauen und Mädchen an politischen und sozialen Entwicklungsprozessen durch den Aufbau von Organisationen des Gemeinwesens und Know-how-Transfer. Die Veränderungsprozesse in den Gemeinden sollen durch die im Projekt organisierten Frauen und Jugendlichen selbst in die Wege geleitet werden.

Zu den Projektaktivitäten gehören: Förderunterricht für Mädchen, Reintegration in Schulen, Verteilung von Fahrrädern, Lehrertrainings, Einschulungskampagnen und der Aufbau von Schulmanagements, Komitees (laut Gesetz verpflichtend), Frauenselbsthilfegruppen in allen Projektdörfern, Gender-Trainings, Mädchengruppen und Peer-to- Peer-Training für Jungen, Weiterbildung von Gesundheitspromotorinnen, Qualifizierung dörflicher Gesundheitskomitees und eine Kampagne gegen selektive Abtreibung.

Erfolge und Herausforderungen

Die grundlegende Herausforderung Indiens ist die Umorientierung der Gesellschaft im Hinblick auf den Wert und die Rolle von Frauen und Mädchen. Verhaltensänderungen sind tiefgreifend und brauchen Zeit. Unbedingt notwendig sind integrierte Ansätze und die Schaffung von Strukturen, die eine Beteiligung und Mitsprache der Betroffenen, vor allem der Frauen und Mädchen, ermöglichen (Elternkomitees, Gemeinwesen). Die Projekterfahrung zeigt, dass die Stärkung von Frauen in der Regel auch zur Stärkung von Mädchen führt, weil Mütter sich für ihre Töchter einsetzen. Ist erst einmal die Erfahrung gemacht, dass Mädchen etwas können (Fahrrad fahren, Lernerfolge in der Schule, ihre Meinung darlegen) kommt es zu einem Katalysatoreffekt: Eltern sind stolz auf ihre Töchter. Erfahrungen zeigen, dass Veränderungen möglich sind, wenn etwa 20 Prozent der Zielgruppe sich an diesen Aktivitäten beteiligen. Sobald erste Erfolge zu sehen sind, zieht die restliche Bevölkerung mit.

Ansprechpartner

Indien Mädchenbildung
terre des hommes Deutschland e.V.
Hilfe für Kinder in Not
Ruppenkampstraße 11a
49084 Osnabrück
www.tdh.de

Birgit Dittrich
Tel. + 49 (0) 0541 7101 - 160
b.dittrichtdh.de


Barbara Küppers
Tel. + 49 (0) 0541 7101 - 175
b.kuepperstdh.de

 

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Quelle:

Kinder- und Jugendrechte konkret - Beispiele aus der Praxis, S. 9f.