Afghanistan

Gewaltfreie Schulen

Afghanistan

Gewalt gehört in Afghanistan immer noch vielerorts zum Alltag. Kinder sind den Konflikten und der ständigen und unerwarteten Gewalt meist schutzlos ausgeliefert. Gewalt im Klassenzimmerist einer der Hauptgründe, warum Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Die Schulen sind unzureichend ausgestattet und häufig völlig überfüllt. Es gibt zu wenig Lehrpersonal. Die Atmosphäre an den Schulen ist mancherorts von Angst, Zwang und Gewalt geprägt. Prügelstrafen und Demütigungen gehören zum Schulalltag. Die afghanische Regierung hat auf Basis der UN Kinderrechts-Konvention bereits 2005 ein Verbot gegen Gewalt an Schulen durchgesetzt. Allerdings gehören Prügelstrafen weiterhin zum Schulalltag.

Es gibt keinerlei Sanktionen oder strafrechtliche Konsequenzen für Lehrpersonal, das Kinder schlägt und demütigt. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen von Lehrern und Lehrerinnen auf Kinder, aber auch unter den Schülern und Schülerinnen selbst. Gerade in einem Konfliktland wie Afghanistan, das beachtliche Fortschritte bei der Einschulungsquote von Mädchen und Jungen gemacht hat, ist es wichtig, dass Schulen ein sicherer und geschützter Raum sind. Das partizipative Kinderschutzprojekt „gewaltfreie Schulen“ möchte Schulkindern Möglichkeiten an die Hand geben gemeinsam mit LehrerInnen und Eltern die Situation an ihren Schulen zu verbessern.

Ziele und Aktivitäten

Damit auch die Kinder ihre Interessen selbst artikulieren können, steht zu Beginn immer die Bildung von Interessensgruppen. Sowohl Schülervertretungen als auch Eltern-Lehrer-Schüler-Gruppen können dadurch die Probleme an ihren Schulen selbst angehen und gemeinsam mit den Gemeinden zu lösen. Im Projekt erarbeiten sie Verhaltensrichtlinien, die einen gewaltfreien Unterricht ermöglichen und kinderfreundliche Möglichkeiten der Erziehung vermitteln. Insbesondere im Afghanischen Kontext ist es entscheidend, eine gute Vertrauensbeziehung zu den Projektteilnehmenden zu sichern und sie zu jeder Zeit aktiv an den einzelnen Projektschritten teilhaben zu lassen. Viele Mädchen und Jungen kennen ihre Rechte auf Bildung und Schutz nicht; obwohl sich die wesentlichen Punkte der Kinderrechtskonvention auch im Koran wiederfinden. Anhand der Glaubensschriften werden im Gespräch mit Kindern und Eltern die Prinzipien der Kinderrechte und ihre bestehende Verankerung im gelebten Glauben erörtert. In den Nordprovinzen des Landes gehört das Radio nach wie vor zu den meist genutzten Medien; in Zusammenarbeit mit verschiedenen Radiosendern können neu gegründete Mediengruppen an den Schulen ihre eigenen Sendungen gestalten. Dort können sie öffentlich über ihre Probleme im Alltag und in der Schule sprechen und ihre Rechte thematisieren.

Herausforderungen

Kulturelle Faktoren, insbesondere bei der Beteiligung von Mädchen sind immer besonders zu berücksichtigen. Daher wird darauf geachtet, die jeweiligen Gemeinden zu involvieren und so weit als möglich zu beteiligen. Dies geschieht mit Unterstützung der Eltern-Lehrer-Schüler-Gruppen, um Gemeindevertreter, religiöse Führer oder andere Eltern zu  überzeugen.

Das Projekt steht und fällt mit der Sicherheitssituation vor Ort. Nicht immer und nicht überall können die Maßnahmen so umgesetzt werden, wie ursprünglich geplant und oft wird von allen Teilnehmenden eine große Flexibilität verlangt.

Die wiederholte Verlängerung des Projekts kommt nicht von ungefähr: Der Rückgang von Gewalt, sowie die Verminderung der vorzeitigen SchulabgängerInnen an den beteiligten Schulen bestätigt die Wichtigkeit des Themas. Insgesamt bleibt der Bedarf Gewalt an Schulen zu reduzieren unvermindert hoch. Als Schlüssel haben sich insbesondere die Weitergabe von Wissen, capacity building, Training und Weiterbildungen erwiesen. Religiöse Grundsätze, unterschiedlichste Traditionen und kulturelle Kontexte werden in allen Projekten berücksichtigt. Verhaltensänderungen passieren jedoch nicht von heute auf morgen.

Afghanistan Gewaltfreie Schule
Save the Children Deutschland e.V.
Charlottenstraße 16
10117 Berlin
www.savethechildren.de

Christa Dammermann
Tel. +49 (0) 30 2759 5979 - 0
christa.dammermannsavethechildren.de

 

 

 

 

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Quelle:

Kinder- und Jugendrechte konkret - Beispiele aus der Praxis, S. 3f.