Demokratische Republik Kongo

Unterstützung der Reintegration von Ex-Kombattanten und Flüchtlingen

Die Demokratische Republik Kongo leidet seit Jahrzehnten unter Armut, Chaos und Gewalt. Seit 1998 sind fünf Millionen Menschen im Zuge bewaffneter Konflikte getötet worden. Nach einem Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen üben die Sicherheitskräfte und bewaffnete Gruppen massiv sexuelle Gewalt gegen Kinder aus und missbrauchen Minderjährige als Soldaten.

Nach mehr als 5O Jahren Unabhängigkeit und mehreren gewaltsamen Konflikten bleibt die Demokratische Republik Kongo ein Land mit den Strukturen und Charakteristika eines sehr fragilen Staates. Die Friedensabkommen der Jahre 1999 und 2002 und die dadurch ermöglichten ersten Schritte zu einer Demokratie haben zwar zu einer relativen Stabilisierung des Landes beigetragen. Trotzdem sind die zu Grunde liegenden ethnischen, politischen und wirtschaftlichen Konfliktursachen virulent. Besonders im Osten des Landes sind kriegerische Auseinandersetzungen nach wie vor an der Tagesordnung und haben sich 2012 wieder intensiviert.

Die genaue Zahl der im Kongo aktiven Kindersoldaten ist unbekannt. Im jährlichen Bericht des VN-Generalsekretärs zur Lage von Kindern in bewaffneten Konflikten wurden allein für das Jahr 2012 578 Fälle von Zwangsrekrutierung dokumentiert - 80 Prozent entfielen dabei auf die Provinzen Nord und Südkivu, was auf die Gründung der M23 zurückzuführen ist. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen, was anhand der 1.500 Kinder, die allein im Berichtsjahr fliehen bzw. befreit werden konnten, deutlich wird. Viele Mädchen und Jungen waren sexueller Gewalt, grausamer und unmenschlicher Behandlung ausgesetzt, während sie als Kämpfer, Träger, Köche, Späher oder Boten eingesetzt wurden. Im Jahr 2012 wurden dem Bericht zufolge 154 Kinder getötet und weitere 113 verletzt. 185 Mädchen wurden Opfer von Vergewaltigung und anderer Formen sexueller Gewalt. Ferner wurden 22 Schul- und Gesundheitszentren angegriffen und in 256 Fällen der Zugang von Kindern zu humanitärer Hilfe mit Gewalt verhindert.

Im Auftrag der Bundesregierung hat die KfW Entwicklungsbank im Rahmen des nationalen Demobilisierungs- und Reintegrationsprogramms sowohl die Reintegration von ehemaligen Kämpfern, Kämpferinnen und Flüchtlingen in das zivile Leben der Region Ostkongo als auch die aufnehmenden Gemeinden, deren schlechte wirtschaftliche und soziale Lage einer Wiederaufnahme der Rückkehrer entgegensteht, unterstützt.

In der ersten Programmphase bis 2010 sind in Kooperation mit vor Ort bereits aktiven internationalen und nationalen Nichtregierungsorganisationen (NRO) folgende drei Komponenten umgesetzt worden:

  • Beschäftigungsintensive Arbeitsmaßnahmen
  • Mikroprojekte zur Ankurbelung der lokalen Wirtschaft
  • Medizinische und psychosoziale Betreuung von vergewaltigten Frauen und Mädchen

In der ersten Phase des Programms wurden u.a.fast 3.000 Kindersoldaten alphabetisiert und 95 Prozent der vom Programm medizinisch und psychosozial unterstützten Frauen in ihre Gemeinschaft integriert. Seit 2010 läuft das Programm in leicht modifizierter Art weiter, das nunmehr durch arbeitsmarktorientierte Bildung die wirtschaftliche Entwicklung in den Provinzen Maniema und Süd-Kivu vorantreiben will. Im Mittelpunkt stehen weiterhin die (Re-)Integration ehemaliger Kindersoldaten in das normale Leben und die Beratung der Provinzregierung bei der Qualitätssteigerung der Bildung. Das Vorhaben leistet einen Beitrag zu verbesserter Grundbildung, einkommensrelevanter Beschäftigungsförderung und Förderung von Kleinsten, Kleinen und Mittleren Unternehmen. So haben bis Juli 2012 4.000 Jugendliche und junge Erwachsene erfolgreich an Angeboten der beruflichen Bildung teilgenommen. Über die Hälfte von ihnen arbeiten als unabhängige Handwerker/innen und Dienstleister/innen, darunter 500 junge Frauen. Auch erhielten 3.000 Jugendliche eine (nachholende) Grundbildung. Zwei Drittel von ihnen, überwiegend Mädchen und junge Frauen, haben ein anerkanntes Abschlusszertifikat erworben.

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Quelle:

Kinder- und Jugendrechte konkret
Informationen zu den Rechten junger Menschen in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit

S. 40 u. 42

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