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13.10.2020

"Unser Wohlstand, deren Armut"

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, über Rückschläge im Kampf gegen extreme Not, das Lieferkettengesetz und einen überraschenden Friedensnobelpreis.
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Interview der Frankfurter Allgemeinen, erschienen am 12. Oktober 2020

Herr Minister, von Afrika, unserem Nachbarkontinent, hört man in der Corona-Krise wenig. Woran liegt das, ist da die Welt noch in Ordnung?

MÜLLER: Die Pandemie schlägt in Afrika, aber auch in anderen Entwicklungsländern brutal zu. Sie trifft die Ärmsten der Armen am härtesten. Das Virus ist das eine, das Herunterfahren des wirtschaftlichen Lebens ist das andere. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in Afrika dieses Jahr zusätzlich eine Million Menschen sterben, weil die Versorgungsketten für Nahrungsmittel und die notwendigen Medikamente gegen Tuberkulose, Aids, Malaria und andere Krankheiten fehlen.

Frau Thieme, wo ist es besonders übel?

THIEME: In den Ländern, die ohnehin unter Hunger und Armut leiden. Corona wirkt dort wie ein Brandbeschleuniger für die bestehenden Probleme. Die Vereinten Nationen schätzen, dass allein durch die wirtschaftlichen Beschränkungen bis zu 130 Millionen Menschen zusätzlich hungern müssen.

MÜLLER: Es gibt dramatische Situationen, nicht nur in Afrika. Beispielsweise sind im Irak 5 Millionen Menschen durch die Krise arbeitslos. 25 Länder stehen vor dem Staatsbankrott. Ihre Exporte sind um ein Drittel eingebrochen. Ihre Währungen sind um 35 Prozent abgestürzt, und die Rohstoffpreise sind kollabiert. Damit kommen Staatshaushalte an die Grenze dessen, was sie noch finanzieren können.

Weltbankpräsident David Malpass hält wegen der Corona-Pandemie einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder für dringend geboten. Sie auch?

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Autor:
BMZ, FAZ
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