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08.03.2023

Shreya erklimmt eine Männerdomäne

Der Weg zum beruflichen Ziel einer professionellen Reiseführerin war steinig – wie die Pfade, die durch Shreyas Heimat Nepal führen und atemberaubende Landschaften erschließen.
Shreya (21) macht sich bereit für eine weitere Trekking-Tour in Nepal © Plan International

Schon als 12-Jährige träumte Shreya davon, als Reiseleiterin in ihrer Heimat zu arbeiten. Trekken, Wanderwege erkunden, den Himalaja bereisen und am Fuße des weltberühmten Gebirges Gästen behilflich sein – die Idee gefiel ihr.

Als jüngstes von drei Kindern erlebte die heute 21-jährige Nepalesin, wie ihre Eltern für das Wohl der Familie kämpften. Als Reinigungskräfte arbeiteten sie hart, verdienten aber nicht viel. Trotzdem reichte es immer dafür, dass alle satt wurden, versorgt waren und Medikamente bekamen.

„Wenn meine Freundinnen Süßigkeiten naschten und schöne Kleidung trugen, wollte ich das auch haben“, sagt Shreya. Aber da sie wusste, dass ihre Eltern sich das nicht leisten konnten, behielt sie ihre Wünsche für sich.

Wirtschaft im Krisenmodus

2015 bebte die Erde in Nepal heftig. Die Erschütterungen in dem südasiatischen Binnenland hatten eine Stärke von 7,8. Viel Infrastruktur ging in einem der ärmsten Länder der Welt verloren und auf Jahre blieben die Spuren der Verwüstung sichtbar.

„Meine Eltern baten unsere Verwandten um Geld. Aber sie gaben nichts. Stattdessen haben sie sie schikaniert, weil sie uns trotz finanzieller Schwierigkeiten zur Schule schickten“, sagt Shreya. „Meine Eltern haben mich motiviert. Sie haben uns als wertvoll behandelt und gingen für uns Kinder nie Kompromisse ein.“

Nach ihrem Schulabschluss bewarb sich Shreya in Deutschland, um zu studieren. Aber ohne Deutschkenntnisse traute sie sich nicht zu, das Vorstellungsgespräch zu bestehen. Stattdessen suchte sie nach einer Möglichkeit, Reiseleiterin in Pokhara zu werden. Ihr Kindheitstraum rückte einen Schritt näher.

Shreya hörte von einem kostenlosen Ausbildungskurs, der von einem Trekking-Unternehmen in der Stadt in Zentral-Nepal angeboten wurde – am Fuße des Annapurna-Bergmassivs in der Provinz Gandaki. „Ich glaube, ich war dazu bestimmt, Fremdenführerin zu werden“, erinnert sie sich. „Vielleicht war das der Grund dafür, dass ich bei meiner Bewerbung für einen Auslandsaufenthalt nicht erfolgreich war.“ (...)  Mehr