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05.03.2019

Venezuela: Regionales Hilfsprogramm für Flüchtlinge

Die Fronten im Machtkampf um Venezuela haben sich nach dem Streit um die Hilfsgüter weiter verhärtet. Plan International kritisiert, humanitäre Hilfe als politisches Druckmittel einzusetzen.

Seit Jahren steckt Venezuela in einer Wirtschaftskrise, vor deren Auswirkungen mittlerweile über 3 Mio. Menschen geflohen sind. Plan leistet in den Nachbarländern Hilfe für die Geflüchteten. © Plan International

Die Kinderhilfsorganisation unterstützt venezolanische Flüchtlinge seit 2015 und verstärkt ihr Engagement nun mit einem regionalen Hilfsprogramm für Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien.

Venezuela geht ins sechste Jahr einer bedrückenden Wirtschaftskrise. Das Land mit den größten Erdölreserven der Welt produziert kaum noch etwas, ist abhängig von Importen. Doch aufgrund sinkender Ölpreise sind Devisen knapp. Es gibt kaum Lebensmittel oder Medikamente, viele Menschen hungern und die Kindersterblichkeit ist stark angestiegen. Krankheiten wie Malaria und Dengue, aber auch Infektionen, die als ausgerottet galten wie Masern, Diphtherie und Tuberkulose, haben sich ausgebreitet.

Die katastrophale wirtschaftliche Lage und politische Instabilität lösten eine Massenflucht aus: Über 3,4 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner haben ihre Heimat laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und Internationaler Organisation für Migration (IOM) seit 2015 verlassen. Allein im vergangenen Jahr flohen täglich 5.000 Menschen, meist in eines der Nachbarländer. Der größte Teil, rund 1,2 Millionen haben sich in Kolumbien niedergelassen. In Ecuador sollen sich aktuell 221.000 venezolanische Geflüchtete aufhalten, in Peru sogar 506.000.

Die Sozial- und Gesundheitssysteme der Gastländer sind mit dem hohen Zustrom an venezolanischen Bedürftigen zunehmend überfordert. Die aufnehmenden Gemeinden leiden oft selbst unter Armut. Es mangelt an Unterkünften, Nahrungsmitteln, Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Nach Peru rief auch der Andenstaat Ecuador im August 2018 den Notstand aus.

Plan International versorgt die oft unterernährten Geflüchteten aus Venezuela mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneartikeln. Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder erhalten spezielle Zusatznahrung. Seit Herbst 2018 haben die Plan-Teams in Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien ihre Unterstützung mit einem regionalen Hilfsprogramm intensiviert. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche sowie ihre von der Migrationskrise betroffenen Familien, insbesondere Mädchen und junge Frauen, vor Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung zu schützen. Dazu werden sie in den Bereichen Kinderschutz und Bildung sowie der Entwicklung wirtschaftlicher Unabhängigkeit unterstützt. Bisher profitierten rund 22.000 Kinder und Erwachsene von den Hilfsmaßnahmen.

Ein Baustein dieses Programms ist ein Projekt der Humanitären Hilfe, welches Plan International mit Unterstützung des Auswärtigen Amts im Norden Kolumbiens umsetzt. Die Grenzstadt Cúcuta sowie die Gemeinden an der Atlantikküste sind besonders stark vom Flüchtlingsstrom betroffen. Dort werden Venezolanerinnen und Venezolaner sowie kolumbianische Rückkehrer von der Hilfsorganisation medizinisch versorgt und psychologisch betreut. Speziell eingerichtete Kinderschutzzonen ermöglichen Spiel- und Lernmöglichkeiten für 5- bis 12-Jährige und entlasten ihre Eltern. Jugendliche und Erwachsene erfahren in Schulungen alles Wichtige über Gesundheit und Ernährung, Hygiene, Verhütung und die Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt. Sie erhalten zu Dingen des täglichen Bedarfs auch Moskitonetze und Gutscheine, um sich mit Hygieneartikeln versorgen zu können.

Die Menschen in den Aufnahmegemeinden zeigen große Solidarität, jedoch nehmen die Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber den venezolanischen Bedürftigen zu. Aus diesem Grund unterstützt Plan International die Sensibilisierungskampagne „Somos Panas“ (dt. etwa: „Wir sind Freunde“) des UNHCR und bezieht auch die Menschen in den aufnehmenden Gemeinden in seine Projekte mit ein.

Viele venezolanische Geflüchtete besitzen keine gültigen Ausweispapiere, was die Risiken für jegliche Form der Ausbeutung erhöht. Besonders Mädchen und junge Frauen auf der Flucht sind gefährdet, Opfer von Gewalt und Menschenhandel zu werden. Plan International hilft Familien bei ihrer Registrierung und sorgt dafür, dass geflüchtete Kinder und Jugendliche eine Schule besuchen und medizinische Leistungen in Anspruch nehmen können. Darüber hinaus werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der für die Beratung von Flüchtlingen zuständigen Behörden in den Rechten und dem Schutz von Migranten geschult.

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