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27.02.2019

Syrien: Kinder leiden unter großem psychischen Stress

Tausende Kinder, die vor Kurzem aus der letzten IS-Bastion im Nordosten Syriens geflohen sind, zeigen starke Anzeichen von psychischer Belastung.

Mai*, 11 Jahre aus Syrien © Save the Children

Sie wurden Zeuge unmenschlicher Gewalt und werden eine jahrelange psychologische Betreuung brauchen, um sich von ihren Erfahrungen zu erholen.

"Sie haben unser Haus angezündet, damit wir verschwinden. Unter dem IS durften wir nicht zur Schule gehen. Sie haben die Gemüsepreise angehoben, damit wir hungern müssen. Immer, wenn sie gesehen habe, dass eine Frau mit einem Mann spricht, haben sie die Frau gesteinigt. Gefangene wurden vor den Augen ihrer Familie geköpft. Ich habe immer versucht, nicht hinzuschauen, und habe mich hinter meiner Mutter verkrochen." Mai*, 11 Jahre aus Syrien

Die elfjährige Mai* lebte mit ihrer Familie mehrere Jahre unter der IS-Herrschaft in der Nähe von Raqqa. Sie wurde unter anderem Zeugin, wie jemand geköpft wurde. Ihr älterer Bruder wurde vor vier Jahren als 17-Jähriger vom IS gefangen genommen. Seitdem hat die Familie ihn nicht mehr gesehen. Mai* floh mit ihren Eltern und drei Schwestern in ein Flüchtlingscamp im Nord-Osten Syriens.

Nervosität, Aggression, Alpträume

Im Lager Al Hol, in dem der Großteil der aus dem IS-Gebiet geflüchteten Menschen untergekommen ist, haben wir Spielräume für Kinder und einen Bereich für unbegleitete Minderjährige eingerichtet. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort berichten, dass die Kinder typische Symptome schweren psychologischen Leids aufweisen, darunter Nervosität, Aggression, Alpträume und Bettnässen. Am stärksten betroffen sind Kinder zwischen zehn und 14 Jahren.

"Die Jungen, die wir betreuen, sind ängstlich und misstrauisch. Wenn wir sie nach ihrem Leben in den vergangenen Jahren fragen, wollen sie nicht darüber reden. Sie ziehen sich zurück und können sich schwer eingliedern. Wenn es abends dunkel wird, haben viele Kinder Angst, denn sie verbinden die Dunkelheit mit Angriffen. Sie können diese Angst auch in dem sicheren Camp nicht abstreifen." Hassan*, Mitarbeiter des Kinderschutzteams von Save the Children

Kinder haben das Gefühl für ein Zuhause verloren

Die Verantwortliche von Save the Children für humanitäre Hilfe in Syrien, Sonia Khush, schildert die Situation im Lager Al Hol: „Viele Kinder wurden schon mehrmals vertrieben, viele kommen ohne ihre Familien an. Sie flohen von einer Notunterkunft zu nächsten, von einem Ort zum anderen, und haben jegliches Gefühl für ein Zuhause verloren. Monate- oder sogar jahrelang sind sie nicht regelmäßig zur Schule gegangen, haben kein gesundes Essen bekommen oder eine Gesundheitsversorgung. Wir tun unser Bestes, aber es muss noch viel mehr passieren, damit es diesen Kindern wieder gut geht.“ (...)

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