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07.02.2019

Bildung für alle – keine „verlorene Generation“

Die Bundesregierung unterstützt mit weiteren 50 Mio. Euro das Bildungsprogramm „Reaching all Children with Education“ (RACE) im Libanon.

V.l.n.r.: Fadi Yarak, Tanya Chapuisat, Akram Chehayeb, Dr. Georg Birgelen und Gunnar Wälzholz | © KfW

Finanziert werden Schulgebühren – für Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien und aus libanesischen Familien – sowie der Bau und die Renovierung von Schulgebäuden.

Bereits Ende 2018 unterzeichneten die KfW Entwicklungsbank und UNICEF einen Vertrag zugunsten des libanesischen Bildungsprogramms „Reaching all Children with Education“ (RACE). Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert die KfW das Bildungsprogramm im laufenden Schuljahr mit 50 Mio. Euro und finanziert mit diesen Mitteln die Schulgebühren von etwa 123.000 bedürftigen libanesischen und – mehrheitlich – syrischen Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Bereits seit 2014 unterstützt die KfW das Programm im Auftrag der Bundesregierung mit insgesamt rund 200 Mio. EUR. Der offizielle Startschuss für die weitere Unterstützung erfolgte am 06. Februar im Rahmen einer Schulbegehung und feierlichen Zeremonie an der Uruguay First Public School im Beiruter Stadtviertel Dekwaneh. Neben dem libanesischen Bildungsminister Akram Chehayeb nahmen an der Zeremonie der deutsche Botschafter im Libanon, Dr. Georg Birgelen, sowie die UNICEF-Landesdirektorin, Tanya Chapuisat, und für die KfW der Abteilungsdirektor Stabilisierung und Wiederaufbau Nahost, Gunnar Wälzholz, teil.

Die Herausforderungen im libanesischen Bildungssektor sind auch acht Jahre nach Ausbruch der Syrienkrise enorm. Von den rund eine Million syrischen Flüchtlingen im Libanon (Stand Oktober 2018) sind knapp die Hälfte Kinder. Trotz erheblicher Anstrengungen durch das libanesische Bildungsministerium und die internationale Gebergemeinschaft hatte rund die Hälfte von ihnen auch 2018 keinen Zugang zu formaler Schulbildung. Um die hohen Schülerzahlen zu meistern, bieten zahlreiche öffentliche Schulen im Land bereits seit Jahren Unterricht in zwei Schichten – vormittags und nachmittags – an.

„Häufig sind es jedoch auch wirtschaftliche und soziokulturelle Gründe, welche insbesondere die Eltern aus Flüchtlingsfamilien davon abhalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken“, sagt Projektmanager Jonas Rathfelder aus dem KfW-Büro Beirut. So befanden sich im vergangenen Jahr drei von vier Flüchtlingshaushalten im Libanon unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Die finanzielle Not zwingt viele Kinder, zum Familieneinkommen beizutragen und beispielsweise in der Landwirtschaft zu arbeiten, anstatt eine Schule zu besuchen. Ein weiteres Hindernis sind fehlende Fremdsprachenkenntnisse: An libanesischen Schulen findet der Unterricht in Mathematik und in naturwissenschaftlichen Fächern auf Englisch oder Französisch statt. In der ersten Klasse werden zudem bereits Grundkenntnisse des Alphabets und der Zahlen vorausgesetzt. Dieses Vorwissen fehlt vielen syrischen Kindern. Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen aus Flüchtlingshaushalten hat darüber hinaus mit psychischen Belastungen zu kämpfen, was für die Lehrer eine zusätzliche Herausforderung darstellt und die Teilnahme am Schulunterricht zusätzlich erschwert.

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Botschafter Dr. Georg Birgelen sagte: „Kinder sind unsere Zukunft. Ich bin beeindruckt vom Engagement der libanesischen Regierung, allen Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen. Deutschland wird dabei weiterhin unterstützen, nicht nur über das RACE-Programm, sondern auch mit Investitionen in die Schulinfrastruktur.“

Im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit im Bildungssektor unterstützt die KfW neben dem RACE-Programm im Libanon auch die Förderung des Zugangs zu non-formalen, außerschulischen Bildungsangeboten und wird sich künftig noch stärker im Bereich Verbesserung der Schulinfrastruktur engagieren: Renovierung von Gebäuden, Einbau von Sanitäranlage und Anlage von Sportplätzen. Zudem werden Vorhaben im Bereich berufliche Bildung unterstützt. Das laufende Portfolio der Finanziellen Zusammenarbeit mit dem Libanon umfasst ca. 392 Mio. Euro, davon 118 Mio. Euro im Bildungsbereich. Bildungsminister Akram Chehayeb dankte in seiner Rede der Bundesregierung für die anhaltende Unterstützung und sagte „Ich bin glücklich, dass ich meinen ersten Schulbesuch als neuer Minister für Bildung gemeinsam mit dem deutschen Botschafter machen kann. Und: trotz der gesunkenen internationalen Unterstützung haben wir an allen staatlichen Schulen alle Schüler – egal welcher Nationalität – zugelassen.”

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