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20.10.2017

Ausgestossen und verzweifelt

UNICEF-Bericht zur Situation der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch

© UNICEF/UN0120414/Brown

UNICEF: Jede Woche fliehen bis zu 12.000 Kinder der Rohingya vor der Gewalt in ihrer Heimat Myanmar nach Bangladesch

Die Lage von über 320.000 Kindern der Rohingya, die vor der Gewalt in ihrer Heimat Myanmar nach Bangladesch geflohen sind, wird immer schlimmer, warnt UNICEF. Weiter treffen jeden Tag Tausende erschöpfte und traumatisierte Menschen in der Region Cox Bazar ein.

Schätzungsweise 60 Prozent der inzwischen fast 600.000 Flüchtlinge sind Kinder. Die Gefahr von Seuchen und akuter lebensgefährlicher Mangelernährung bei Kindern wächst täglich. Viele Kinder brauchen psychologische Hilfe – so der UNICEF-Bericht „Ausgestoßen und verzweifelt – Rohingya-Kinder in Gefahr“. Vor der am Montag in Genf stattfindenden Geberkonferenz ruft UNICEF Regierungen und private Spender dazu auf, die humanitäre Hilfe für die Rohingya zu unterstützen.

Sie brauchen Bildung und psychologische Hilfe. Sie brauchen Hoffnung. Wie sollen sie sonst zu produktiven Erwachsenen werden? Die Krise hat ihnen ihre Kindheit genommen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie ihnen auch noch ihre Zukunft raubt.“

Trotz großer Anstrengungen von Hilfsorganisationen und der Regierung von Bangladesch, reicht die Versorgung in den überfüllten Lagern mit sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen, Nahrung und medizinischer Hilfe für Kinder und Schwangere nicht aus. Bereits jetzt leidet ein hoher Anteil der Kinder an schwerer akuter Mangelernährung.
In den chaotischen Lagern sind Kinder von Manipulation, Ausbeutung und Menschenhandel bedroht. Viele Kinder sind traumatisiert. „Nachts wache ich auf, weil ich vor mir sehe wie Menschen getötet werden. Ich sehe es immer wieder. Ich habe vier Klassenkameraden verloren und einer meiner Lehrer wurde ermordet“, berichtet der 16-jährige Hossan.

Nur ein Bruchteil der benötigten Mittel für Hilfe stehen bereit

Allein für die kommenden Monate benötigt UNICEF rund 76 Millionen Dollar, um die Kinder in den Lagern in Bangladesch mit dem Nötigsten zu versorgen. UNICEF Deutschland hat aus privaten Spenden bisher 450.000 Euro bereitgestellt. Insgesamt stehen für UNICEF jedoch erst sieben Prozent der benötigten Mittel bereit.

Angesichts der dramatischen Situation fordert UNICEF dringende Maßnahmen in vier Bereichen:

  • Internationale Hilfe für die geflohenen Rohingya in Bangladesch und in Myanmar.
  • Schutz für Rohingya-Kinder und ihre Familien im Bundesstaat Rakhine in Myanmar – und sofortiger ungehinderter Zugang zu allen von der Gewalt betroffenen Kindern.
  • Unterstützung für eine Rückkehr für alle Flüchtlinge in Sicherheit und Würde.
  • Eine langfristige politische Lösung der Krise, wie sie durch die vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan geleitete Rakhine-Kommission vorgeschlagen wurde. Dazu gehört auch die Überwindung der Staatenlosigkeit und Diskriminierung der Rohingya.
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