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22.04.2022

Hungersnot am Horn von Afrika

Millionen von Menschen in Ostafrika sind vom Hunger bedroht. Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten macht mehr als 16 Millionen Menschen in Somalia, Kenia und Äthiopien von Nahrungsmittelhilfe abhängig.
Save the Children unterstützt Kinder und Familien, die aufgrund der schweren Dürre ihre Heimat verlassen müssen und Zuflucht in Notaufnahmecamps finden. So auch in einem Geflüchtetencamp in Baidoa, gelegen im Südwesten Somalias. © Save the Children

Zugleich treibt der Krieg in der Ukraine die Lebensmittelpreise in die Höhe und verschärft die Krise. Save the Children warnt vor den katastrophalen Folgen der Hungersnot und ruft dazu auf, gemeinsam gegen die humanitäre Notlage vorzugehen und schnell Hilfe zu leisten.

Die große Zahl von Menschen, die in Ostafrika unter Hunger leiden, ist erschreckend. Allein in Kenia haben 3,5 Millionen Menschen zu wenig zu essen. Bis zu 6,5 Millionen Menschen in Südäthiopien benötigen Hilfe. In Somalia ist fast ein Drittel der Bevölkerung – das sind 4,8 Millionen Menschen – von akuter Nahrungsmittelknappheit betroffen.

Somalia erlebte bereits 2011 eine schwere Hungersnot, bei der fast 260.000 Menschen starben. Die Hälfte von ihnen waren Kinder unter fünf Jahren. Nun wird befürchtet, dass sich dies wiederholen könnte. Doch was sind die Gründe für die sich immer mehr zuspitzende Hungerkatastrophe?

Ausbleibende Regenfälle 

Durch die weltweite Veränderung des Klimas treten in Ostafrika immer mehr Hitzewellen und Dürren auf. Die Regenzeit tritt von Jahr zu Jahr später ein, dauert immer länger an oder bleibt sogar völlig aus. In Kenia und Äthiopien fielen seit Beginn der Regenzeit im März nur leichte Schauer, und Prognosen sagen für diese Saison unterdurchschnittliche Niederschläge voraus. Folglich kann die Bevölkerung aufgrund von ausbleibenden Ernten und sterbendem Vieh weniger Nahrungsmittel produzieren, wodurch die Preise für Lebensmittel wiederum steigen.

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs

Die Länder des Horns von Afrika sind zudem in hohem Maße auf Lebensmittelimporte angewiesen. Der Bedarf an Getreide wird zu 84 Prozent durch Importe gedeckt. Dabei sind Russland und die Ukraine die wichtigsten Zulieferer für Weizen und Weizenprodukte: 90 Prozent der Weizeneinfuhren stammen aus Russland (72 Prozent) und der Ukraine (18 Prozent). Ein Rückgang des Handels als Konsequenz des Kriegs verstärkt die Nahrungsmittelknappheit in Ostafrika und die importierten Produkte werden immer teurer: In den somalischen Städten Garowe und Quardho ist der Preis für Weizenmehl von 26 auf 36 Dollar pro 50-kg-Sack gestiegen.

Auch die Preise für Kraftstoff und Düngemittel sind höher geworden, was die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion gefährden. Kleinbauern können weniger Düngemittel verwenden und haben dadurch schlechtere Ernten, während Großbauern von den hohen Treibstoffkosten für Traktoren und andere Maschinen betroffen sind.

Mangelernährte Kinder

Die Folgen von Klimawandel, Kriegen, politischer Instabilität und Covid-19 sind auch immer mehr hungernde Kinder. In Somalia könnten nach Schätzungen der UNO bis Mitte des Jahres 1,4 Kinder akut unterernährt sein – das sind 64 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Auch in Kenia steigen die Fälle von Unterernährung sprunghaft an: 755.000 Kinder müssen wegen akuter Unterernährung behandelt werden. In Äthiopien liegt die Zahl der hungerleidenden Kinder bei bis zu 890.000.

Die Vereinten Nationen haben dazu aufgerufen, 4,4 Milliarden Dollar für die humanitäre Hilfe in Äthiopien, Kenia und Somalia bereitzustellen. Doch die Mittel sind knapp, da Krisen wie diese durch den Ukraine-Krieg in den Hintergrund geraten. Save the Children ist besorgt und warnt davor, dass die notleidenden Kinder am Horn von Afrika zurückgelassen werden. (...)