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18.04.2019

Gewalt in Honduras eindämmen

Um die Gewaltspirale durchbrechen zu helfen, hat die KfW jetzt die zweite Phase des Programms CONVIVIR zur Jugendgewaltprävention aufgelegt
Die Kinder freuen sich über Spielplätze, die im Rahmen von CONVIVIR entstanden sind. © KfW

Honduras zählt zu den Ländern mit den höchsten Mordraten weltweit. Jugendbanden treiben ihr Unwesen und sexuelle Übergriffe, Drogendelikte und Raubüberfälle gehören zum harten Alltag dieses mittelamerikanischen Landes. Neben Gewalt sind Armut und Perspektivlosigkeit wesentliche Gründe, aus denen jedes Jahr tausende Honduraner ihr Land in Richtung Vereinigte Staaten verlassen. Dort sind die Migranten an der Südgrenze inzwischen zu einem brisanten Politikum geworden.

Um die Gewaltspirale durchbrechen zu helfen, hat die KfW jetzt die zweite Phase eines Programms zur Jugendgewaltprävention aufgelegt, mit dem unter anderem öffentliche Plätze neu gestaltet und damit sicherer gemacht werden sollen. Dahinter steckt die Idee, dass eine intakte Infrastruktur sowie gut einsehbare und gut beleuchtete öffentliche Räume eine abschreckende Wirkung für potentielle Täter entfalten. Außerdem entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, wenn Menschen einen Ort bevölkern, sich dort treffen, reden, spielen oder Sport treiben. Da bleibt im wahrsten Sinne des Wortes weniger Raum für Gewalt. Deshalb trägt das Programm den Namen „CONVIVIR“, das spanische Wort für „Zusammenleben“.

Jugendliche als Zielgruppe

Mit der Unterzeichnung eines FZ-Darlehens mit Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über 6 Mio. EUR in Honduras, im Beisein der Finanzministerin Rocío Izabel Tábora Morales und des KfW-Büroleiters Jan Stilke, wurde der Startschuss für den zweiten Teil des Jugendgewaltprogramms CONVIVIR gegeben. Zusätzlich bringt der honduranische Staat einen Eigenbeitrag über 600 TEUR ein, die teilnehmenden Gemeinden sowie die Zielgruppe jeweils weitere 300 TEUR. Darlehensnehmer ist die Republik Honduras, vertreten durch das Finanzministerium. Politischer Träger ist das nationale Jugendinstitut. Die Federführung bei der Umsetzung liegt beim honduranischen Sozialfonds IDECOAS-FHIS.

Wie schon CONVIVIR I richtet sich auch das Folgeprogramm an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 30 Jahren, die in marginalisierten Stadtteilen mit hohen Gewaltraten leben. Denn Jugendliche werden nicht nur Opfer von Gewalt, sondern sind auch häufig Täter. Zu den priorisierten Maßnahmen zählen der Bau und die Revitalisierung von Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Jugend- und Ausbildungszentren, Kinderspielplätzen sowie öffentlichen Plätzen und Parks.

Jugendliche entscheiden und arbeiten mit

Bei der Auswahl der Gemeinden werden u.a. Kriterien wie Gewaltraten, der Anteil der Jugendlichen an der Bevölkerung sowie die Existenz von Jugend- und Gewaltpräventionsplänen angewandt. Welche Infrastrukturmaßnahmen genau umgesetzt werden und was sich wie verändern soll, entscheiden Gemeindeverwaltungen zusammen mit örtlichen Stadtteilkomitees, in denen Jugendliche und ihre Familien einbezogen sind.

Die Vorgehensweise folgt, und das ist das Besondere an dem Programm, dem sogenannten „PEC“-Ansatz „Proyectos Ejecutados por la Comunidad“, was übersetzt bedeutet: Die Bevölkerung selbst setzt die Projekte um. PEC hat sich bereits in der Vorgängerphase bewährt, denn die Anwohner sind nicht nur an der Auswahl der Maßnahmen beteiligt, sondern arbeiten auch selbst auf den Baustellen mit. Alle Beteiligten erstellen zudem gemeinsam Pläne, wie die Areale zu nutzen und instand zu halten sind, sodass sie dauerhaft attraktiv bleiben. Das gemeinsame Anpacken schafft ein Wir-Gefühl und die Bevölkerung identifiziert sich mit den neuen, sicheren Räumen. Dies führt dazu, dass die Jugendlichen und ihre Familien dort gerne zusammen Zeit verbringen und die Räume rege nutzen.

Verbesserte soziale und berufliche Kompetenzen

Eine weitere Komponente des Programms umfasst die Stärkung sozialer Kompetenzen von Jugendlichen durch verschiedene Aus- und Fortbildungsprogramme. So können sie zum Beispiel fachliche Grundqualifikationen in Informatik, Elektronik, aber auch im Friseur-, Maurer- oder Bäckerhandwerk erwerben. Außerdem gibt es Kurse, die den Jugendlichen dabei helfen, ihre sozialen Kompetenzen zu verbessern. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein, erhöht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und trägt wiederum zu einem produktiven und friedlichen Miteinander bei.

Eine dritte Komponente des Programms erhöht die Kompetenzen und Strukturen beteiligter Akteure aus Stadtverwaltungen und Trägerorganisationen, damit sie ihrer Aufgabe im Umgang mit Jugendlichen besser nachkommen können.

Ein wichtiges Entwicklungshemmnis abbauen

Mit dem speziellen Fokus auf benachteiligte Jugendliche und problematische Stadtviertel leistet die KfW Entwicklungsbank einen Beitrag zur Befriedung eines Landes in einer Region, die seit Jahrzehnten in Gewalt versinkt und für die Gewalt zu einem ernsten Entwicklungshemmnis geworden ist. Ähnliche Programme unterstützt die KfW auch in den Ländern El Salvador und Guatemala. Der Gewalt entgegenzusteuern hilft nicht nur den Ländern selbst, sondern auch der Region insgesamt.

Autor:
KfW
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