Aktuelles


15.06.2020

Entwicklungsminister macht Rechte der Kinder in der Welt zu einem Schwerpunkt der deutschen Ratspräsidentschaft

Tag gegen Kinderarbeit

Minister Gerd Müller zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit: "Jeden Tag werden 250.000 Kinder geboren. Sie alle haben Anspruch auf ein Leben in Würde. Die Kinderrechtskonvention ist die am meisten unterzeichnete Konvention der UN.

Aber die Wirklichkeit sieht brutal anders aus: 400 Millionen Kinder wachsen weltweit in extremer Armut auf. 150 Millionen Kinder müssen täglich auf Kaffeeplantagen oder in Steinbrüchen schuften, fast die Hälfte von ihnen unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Die meisten in Afrika. Dort ist Kinderarbeit in den letzten Jahren sogar wieder angestiegen.

Mindestens acht Millionen Kinder werden versklavt und rechtlos verkauft. Eine der brutalsten Formen dieser Ausbeutung ist der sexuelle Missbrauch der Kinder. Besonders dramatisch ist der Anstieg sexueller Online-Ausbeutung von Kindern. Allein auf den Philippinen haben sich die Fälle verdreifacht.

Schon vor der Pandemie waren die Fortschritte im Kampf gegen die Kinderarbeit und Ausbeutung schleppend. Durch die Corona-Krise drohen jetzt massive Rückschritte: Millionen Eltern sind arbeitslos – ohne Kurzarbeitergeld oder soziale Grundsicherung. Die Lage ist für viele Familien dramatisch. COVID-19 führt in vielen Entwicklungsländern bereits zu einer dramatischen Hunger- und Wirtschaftskrise. Transportwege wurden gekappt, es fehlt an Lebensmitteln und Saatgut. Eine Milliarde Kinder kann nicht zur Schule gehen und viele verlieren so die einzige Mahlzeit am Tag. Die Menschen hungern, ehe das Virus ankommt. Experten schätzen, dass 130 Millionen Menschen wegen Corona zusätzlich von Hunger bedroht sind – die meisten davon sind Kinder. Durch Corona rutschen 40 Millionen Kinder dieses Jahr in extreme Armut ab. Und wegen der Not vieler armer Familien und der Ausgangssperren werden auch mehr Kinder Opfer von sexueller Ausbeutung. Wir dürfen nicht wegsehen. Wir müssen alles tun, um dies zu stoppen.

Deswegen machen wir den Kampf gegen Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung zum Schwerpunkt der deutschen Ratspräsidentschaft. Konkret werden wir unter anderem die Grundlagen für ein europäisches Lieferkettengesetz schaffen. Alle großen Unternehmen wären dann verpflichtet, dort wo unsere Schuhe, Kleidung, Kaffee produziert werden, faire Löhne zu bezahlen und Kinderarbeit zu beenden.

Denn wir müssen uns klar machen: Auch wir in Europa tragen Mitverantwortung: Viele Familien haben auch vor der Krise kaum mehr als Hungerlöhne verdient. Die Näherinnen in Bangladesch schuften 14 Stunden am Tag für einen Stundenlohn von 25 Cent, sechs Tage die Woche. Davon kann keine Familie leben. Eine Folge ist, dass viele Kinder arbeiten müssen statt zur Schule zu gehen, damit die Familien irgendwie über die Runden kommen. In Westafrika arbeiten zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen – auch für unsere Schokolade. Im Kongo schuften Kinder in Minen für Coltan, das wir für unsere neuen Smartphones brauchen. Jeder dritte Grabstein in Deutschland stammt aus Indien, wo 150.000 Kinder in Steinbrüchen schuften.

Mit einem Lieferkettengesetz können wir das ändern. 50 renommierte Unternehmen unterstützen ein solches Gesetz in Deutschland. Fast 200.000 Menschen haben eine Petition für ein entsprechendes Gesetz unterschrieben. Wir müssen es jetzt einfach machen. Es sollte sich kein Unternehmer mehr hinstellen können und sagen: Ich habe nichts aktiv gegen Kinderarbeit und Sklaverei in meiner Lieferkette getan.

Auch jeder einzelne von uns kann beim nächsten Einkauf etwas gegen Kinderarbeit tun und zum Beispiel Bettwäsche oder T-Shirts mit dem Textilsiegel "Grüner Knopf" kaufen oder auf faire Schokolade, faire Bananen achten."