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05.05.2022

Der Kampf um das Recht auf Bildung: Stimmen von Afghaninnen in internationalen Medien

(...) teils wird ihnen die Schulbildung ab der Sekundarstufe ganz verwehrt, teils müssen strenge Vorschriften eingehalten werden, von der obligatorischen Verschleierung bis zum Lachverbot.

Ob Zahra*, die für einen Master in Englischdidaktik eingeschrieben ist, oder Maya*, die Rechtswissenschaften in Kabul studiert: Nun sitzt Zahra in ihrer Wohnung fest und Maya hat in einem Frauenschutzhaus Obdach gefunden, fern von Lehrveranstaltungen und einer beruflichen Zukunft. Wie alle Afghaninnen durften sie ihren Bildungsweg nicht fortsetzen, als die Taliban nach der Machtübernahme im August 2021 alle Sekundarschulen und Universitäten für Frauen und Mädchen schlossen. Sieben Monate später gab das Bildungsministerium bekannt, höhere Bildung werde auch Mädchen ab dem 23. März 2022 wieder zugänglich gemacht.

Doch entgegen aller Versprechen wurden Mädchen und Frauen bereits am ersten Tag der vermeintlichen Wiedereröffnung nach Hause geschickt: teils wird ihnen die Schulbildung ab der Sekundarstufe ganz verwehrt, teils müssen strenge Vorschriften eingehalten werden, von der obligatorischen Verschleierung bis zum Lachverbot.

Als besonders zentral sehen die Taliban die vollständige räumliche und zeitliche Trennung des Bildungsangebots nach Geschlechtern an. Kurse und Seminare für Frauen und Mädchen werden jedoch kaum angeboten. Sobald ein männlicher Teilnehmer dem Unterricht beiwohnt, werden die Mädchen und Frauen davon ausgeschlossen. So bleibt es für Frauen und Mädchen nahezu unmöglich, sich zu bilden. Weitere Restriktionen der Taliban, wie die Vorschrift für Frauen, sämtliche Wege im öffentlichen Raum nur mit männlicher Begleitung zurücklegen zu dürfen, belasten psychisch und erschweren den Zugang zu Bildung zusätzlich.

Dieser massiven Ungleichbehandlung und aller damit verbundenen Gefahren zum Trotz kämpfen einige Frauen und Mädchen vehement für ihre Rechte und ihren Zugang zu Bildung. So nutzen afghanische Frauen und Mädchen auch internationale Medien, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, bringen damit ihren Protest zum Ausdruck und formulieren klare Forderungen:

  • In der Zeit berichten verschiedene Afghaninnen in unregelmäßigen Abständen von ihren persönlichen Erfahrungen und den Auswirkungen der Machtübernahme der Taliban auf ihr Leben.
  • Im Tagesspiegel erscheint wöchentlich die Kolumne einer 18-jährigen Afghanin, die über ihren Alltag und ihre Gedanken aus einem Schutzhaus in Afghanistan berichtet.
  • In der Kolumne „Kabul Diary“ im Spiegel schreibt Sima Samar, die erste Frauenministerin Afghanistans, die inzwischen in den USA lebt, über persönliche Erfahrungen aus ihrer Zeit in Afghanistan und stellvertretend über die Erfahrungen anderer Afghaninnen.
  • Der englischsprachige Nachrichtenkanal BBC hat eine Themenseite zu Frauenrechten in Afghanistan eingerichtet, auf der Afghaninnen und BBC-KorrespondentInnen aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in Afghanistan beleuchten.
  • Afghaninnen machen auch in den sozialen Medien ihrer Wut über soziale Ausgrenzung und Rechtsverletzungen Luft: Zahra Hasti, eine ehemalige Tanzlehrerin, postet auf ihrem facebook-Profil Videos, die sie selbst beim Tanzen in ihrer Wohnung zeigen – Tanz und Musik in diversen Situationen sind seit August 2021 in Afghanistan erneut verboten. Die Sängerin und Frauenrechtsaktivistin Aryana Sayeed drückt ihren Widerstand über ihren twitter Account aus.

Lasst uns diesen Frauen zuhören und ihre Berichte teilen! Unterstützen wir den Kampf der Frauen für ihre Rechte, indem wir ihn weiter bekannt machen! Die Stimmen der Frauen in Afghanistan sind unverzichtbar! Wenn sie verstummen, stirbt auch die Hoffnung! Wer das Wort öffentlich ergreift, hat Einfluss und gestaltet mit. So sehr das auch von Seiten der Taliban verhindert werden soll: es ist schon Realität. Mehr