Aktuelles


13.05.2020

Corona in Syrien: Save the Children fordert Rückführungen aus al Hol

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie fordert Save the Children die Evakuierung von mehr als 7.000 ausländischen Kindern ...
Ahmad* (13) lebt mit seinem Vater seit über zwei Jahren im Al Hol Camp in Syrien, nachdem sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden. © Save the Children

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie fordert Save the Children die Evakuierung von mehr als 7.000 ausländischen Kindern, die unter unhygienischen Bedingungen im überfüllten Flüchtlingscamp Al Hol in Nordostsyrien leben. Diese Minderjährigen und ihre Familien sind durch eine mögliche Ausbreitung von COVID-19 einer zusätzlichen Gesundheitsgefahr ausgesetzt und müssen in ihre Heimatländer gebracht werden.

Während Regierungen in aller Welt Rückholaktionen für ihre wegen der Pandemie gestrandeten Staatsbürger vornehmen, harren mehr als 7.000 Kinder, darunter etwa 100 Mädchen und Jungen aus Deutschland, in Al Hol in Syrien aus. Das Lager ist völlig überfüllt, seit eine Eskalation der Kämpfe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) Anfang vergangenen Jahres zahlreiche Menschen in die Flucht getrieben hatte. Die Zahl der Bewohner von Al Hol stieg damals sprunghaft von 10.000 auf 73.000 und liegt derzeit bei 65.000, darunter 43.000 Minderjährige. Die Kinder sind in dem überfüllten Camp erheblichen Risiken für ihre körperliche und mentale Gesundheit ausgesetzt. Die Corona-Pandemie droht die Lage zusätzlich zu verschlimmern. Das zeigt unser englischsprachiger Bericht 'A children's crisis: Update on Al Hol Camp and COVID-19 concerns'.

"Die Not der Kinder in Al Hol ist wegen der Pandemie noch dramatischer geworden. Al Hol war niemals für so eine große Bewohnerzahl gedacht, vor allem nicht für so viele Kinder. Die Folgen eines Coronavirus-Ausbruchs in dem Camp wären verheerend. Besonders schwer haben es die Kinder, die im Bereich für ausländische Familien untergebracht sind: Sie haben noch weniger Zugang zu Hilfe und Unterstützung. Wir rufen die Staaten, die gerade ihre Bürger vor der Pandemie in Sicherheit bringen, auf, diese Kinder und ihre Familien im Einklang mit ihren internationalen Verpflichtungen sicher in ihre Heimatländer zurückzubringen." Sonia Khush, Save the Childrens Nothilfe-Koordinatorin für Syrien

Hygienemaßnahmen können kaum eingehalten werden

Engpässe in der Wasser- und Stromversorgung im gesamten Gebiet und regelmäßige Unterbrechungen der zentralen Anlage, die das gesamte Lager Al Hol mit Wasser versorgt, erschweren die Einhaltung von Hygienemaßnahmen wie Händewaschen. Auch das zum Schutz vor Ansteckung notwendige Abstandhalten ist in Al Hol nicht umsetzbar. Viele Kinder in dem Lager haben ein geschwächtes Immunsystem, Vorerkrankungen oder sind mangelernährt und wären deshalb bei einer Erkrankung an COVID-19 gefährdet.

Kinderrechte verpflichten zu Rückführungen

Save the Children fordert die Heimatländer der in Al Hol lebenden Ausländer auf, die Kinder und ihre Familien gemäß den Verpflichtungen aus der UN-Kinderrechtskonvention zurückzuführen. Die Regierungen müssen alles tun, damit Familien zusammenbleiben können und dafür sorgen, dass die Kinder und ihre Angehörigen bei ihrer Ankunft in den Heimatländern die nötige Unterstützung zur Wiedereingliederung sowie medizinische Versorgung und Schutz erhalten. 

Im Lager Al Hol sind ausländische Familien aus 66 Nationen, darunter auch Deutsche, mit nachweislichen oder vermeintlichen Verbindungen zum IS untergebracht. Bis Ende 2019 holten 22 Staaten insgesamt 750 Menschen aus Al Hol in ihre Heimatländer, darunter Deutschland.

Autor:
Save the Children
Quelle:
Kategorie:
Frieden und Sicherheit Flucht und Migration Gesundheit Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern Recht auf Förderung Recht auf Gesundheit Recht auf Schutz Aktuelles Save the Children Deutschland e.V.