Aktuelles


12.08.2020

Corona in Indien: Viele Familien in Existenznot

Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben immer mehr Familien zunehmend Schwierigkeiten, ihre täglichen Ausgaben zu decken
Auf Grund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben viele Menschen in Indien ihre Arbeit verloren. Familien haben kaum noch Geld, um die täglichen Ausgaben zu decken. Save the Children verteilt Nahrungsmittelpakete und Hygienematerial. © Save the Children

Eine Umfrage von Save the Children unter tausenden Haushalten in Indien hat ergeben, dass 80 Prozent der Befragten sagten, sie könnten sich alltägliche Dinge wie Lebensmittel, Wasser, Strom oder Gas wegen ihrer Einkommensverluste nicht mehr leisten. Hinzu kommen die indirekten Auswirkungen der Pandemie, von denen die Schwächsten der Gesellschaft an stärksten betroffen sind. Aus Geldmangel nehmen viele Familien Kredite auf oder verkaufen einen Teil ihres Besitzes. Kinder, die nicht zur Schule gehen, sind verstärkt von häuslicher Gewalt oder Ausbeutung bedroht. In Indien haben die Fälle von Kindesmissbrauch seit der Verhängung von Ausgangsbeschränkungen bereits nachweislich zugenommen und es gibt Anzeichen für vermehrten Kinderhandel.

"Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die Kinderrechte in dieser beispiellosen Krise nicht vernachlässigt werden, sonst könnte ein Großteil der in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritte zunichte gemacht werden – etwa bei der Verringerung von Kinderarbeit, Kinderehen, Kinderhandel und bei der Unterernährungsrate. Wir können nicht zulassen, dass COVID-19 all diese harte Arbeit zunichtemacht." Anindit Roy Chowdhury, Programm- und Politikdirektor bei Save the Children Indien

Save the Children befragte sowohl Haushalte in der Stadt als auch auf dem Land. Die Ergebnisse sind erschreckend.

  • 84 Prozent der städtischen Haushalte haben keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten/zu arbeiten (im Vergleich zu 64 Prozent der ländlichen Haushalte).
  • 50 Prozent der Haushalte haben keine ausreichende Lebensmittelversorgung (43 Prozent der ländlichen und 61 Prozent der städtischen Haushalte).
  • Ein Viertel der Haushalte gab an, überhaupt kein Familieneinkommen zu haben.
  • 45 Prozent der Haushalte griffen auf Kredite/Darlehen zurück, um ihre täglichen Ausgaben zu bestreiten.
  • 40 Prozent der Haushalte gaben an, dass ihre Kinder keine Unterstützung von der Schule erhielten, um zu Hause zu lernen.
  • 53 Prozent der Haushalte waren nicht informiert über Childline, eine Telefon-Hotline für Kinder in Not.

"Unsere Umfrage gibt einen kleinen Einblick in die Herausforderungen, vor denen die Familien in Indien stehen. Vor allem die Bildung hat einen schweren Schlag erlitten – und damit einhergehend der Anstieg häuslicher Gewalt. Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, kann dies vermehrt zu Misshandlung, Gewalt und Ausbeutung führen." Anindit Roy Chowdhury, Programm- und Politikdirektor bei Save the Children Indien

Autor:
Save the Children
Quelle:
Kategorie:
Bildung Ernährungssicherung Gesundheit Kinderhandel Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern Recht auf Bildung Recht auf Förderung Recht auf Gesundheit Recht auf Schutz Aktuelles Save the Children Deutschland e.V.