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13.08.2021

5 Hürden, die Kinder weltweit von ihrem Recht auf Bildung abhalten

Bildung ist ein Menschenrecht und ein wichtiges Kinderrecht. Dennoch können über 260 Millionen Kinder weltweit keinen Gebrauch von diesem Recht machen.
Schulkinder sitzen in einem Klassenraum und singen.
In einem Bildungszentrum von Save the Children im Nordirak nehmen geflüchtete syrische Kinder an einem Gesangsprogramm teil. © Claire Thomas / Save the Children

Kinder, die sich aufgrund bewaffneter Konflikte auf der Flucht befinden, sind besonders gefährdet, keine Schule zu besuchen. Um allen Kindern Bildung zu ermöglichen, muss die Weltgemeinschaft vor allem an der Überwindung dieser fünf Hürden arbeiten.

Bildung ist einer der aufschlussreichsten Gradmesser für den Zustand von Gesellschaften. So geben das durchschnittliche Bildungsniveau und die Qualität von Bildungsangeboten Auskunft über die Lage von Bevölkerungen und können sogar Hinweise für die künftige Entwicklung geben. Eine niedrigere Einschulungsrate geht etwa oft mit einem höheren Anteil von Kinderarbeit und Armut einher. Besuchen mehr Kinder eine Schule, wirkt sich dies wiederum häufig positiv auf die Stabilität und Resilienz von Gesellschaften und Gemeinden aus.

Folgende fünf Hürden stehen oft zwischen Kindern und ihrem Recht auf einen sicheren Schulbesuch.

1. Armut: Ein Kreislauf, der sich durch Bildung durchbrechen lässt

Armut ist eine der größten Hürden für Kinder und ihre Familien weltweit, wenn es um den Zugang zu Bildung geht. Besonders problematisch ist hierbei, dass Armut sowohl eine Folge als auch eine Ursache für das Ausbleiben von Bildung sein kann. Einerseits haben Familien, die in Armut leben, häufig nicht die Ressourcen, um ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Existenznöte führen andererseits immer wieder dazu, dass Kinder bereits von klein an arbeiten und ihre Familie finanziell unterstützen müssen. In solchen Notlagen kann einem Schulbesuch oft keine Priorität eingeräumt werden.

Gleichzeitig verstärkt fehlende Bildung wiederum das Aufkommen von Armut. Kinder und Jugendliche, die nicht zur Schule gehen können, sind weitaus gefährdeter, ebenfalls ein Leben in Armut zu führen. Daher wird häufig von einem Armutskreislauf gesprochen.

Weltweit lebt etwa eine Milliarde Kinder in Armut, Tendenz steigend. Auch in Deutschland sind Kinder von Armut betroffen: Laut der Bertelsmann-Stiftung wächst mehr als jedes fünfte Kind hier in Armut auf. Im Jahr 2020 waren es 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Besonders gefährdet sind geflüchtete und migrierte Kinder. Doch durch frühe und schnelle Interventionen können die Zyklen von Armut und Ungleichheit für künftige Generationen unterbrochen werden. Die Förderung von Bildungsmaßnahmen für alle Kinder ist dabei ein Schlüsselinstrument, um diesen Kreislauf zu durchbrechen.

2. Ungleiche Chancen: Wenn Herkunft über Perspektiven entscheidet

Damit alle Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können, muss der Zugang zu Bildung in Deutschland und weltweit inklusiver gestaltet werden. Denn bis heute hängt der Bildungserfolg von Kindern zu oft davon ab, wo sie geboren wurden, welcher Religion sie angehören, ob sie psychische oder körperliche Einschränkungen haben oder Lernmaterialien – von Stift und Papier zu Internet und Computer – verfügbar sind. Chancengleichheit für alle Kinder zu garantieren, ist daher eine der wichtigsten Maßnahmen, um Kindern den Bildungsweg zu öffnen.

Dabei hat auch das deutsche Bildungssystem viel aufzuholen. Kinder, die in Armut aufwachsen oder die aus Familien mit Flucht- und Migrationserfahrungen stammen, werden im deutschen Bildungssystem oft strukturell benachteiligt. Und auch Kinder mit lebensgeschichtlichen Belastungen oder speziellen Förderbedarfen werden oft nicht ausreichend unterstützt. Große Lücken in der digitalen Versorgung und Anbindung von Kindern beim Homeschooling hat nun die Corona-Krise sichtbar gemacht. Damit alle Kinder am digitalen Lernen der Zukunft teilhaben können, muss auch hier für Chancengleichheit gesorgt werden.

3. Hunger: Ohne Nahrung kann der Kopf nicht lernen

Kaum ein Zusammenhang leuchtet so schnell ein wie der zwischen Ernährungsunsicherheit und ausbleibender Bildung: Denn wer hungert, kann nicht lernen. Wenn Kinder Hunger leiden, haben sie nicht die Kraft und Energie, um den Schulalltag zu bestreiten oder sich aufs Lernen zu konzentrieren. Daher bieten viele Bildungsinstitutionen auch Schulspeisungen an. Für viele Kinder ist dies manchmal sogar die einzige gesicherte Mahlzeit am Tag.

Dies bekamen viele Familien während der Schulschließungen durch die Pandemie schmerzhaft zu spüren. Viele Kinder weltweit sind dadurch auf einen Ausgleich durch gemeinnützige Tafeln und Hilfsorganisationen angewiesen, um nicht dem Hunger zum Opfer zu fallen. Daher kann die erfolgreiche Eindämmung von Hunger auch langfristig dazu führen, dass mehr Kinder eine Schule besuchen können.

4. Fehlende Gleichberechtigung: Mädchenbildung muss gefördert werden

In vielen Teilen und Kulturen der Welt hat das Geschlecht einen maßgeblichen Einfluss darauf, ob Kindern der Schulbesuch ermöglicht wird oder nicht. Das zeigt sich daran, dass Mädchen nach wie vor in ihrer Bildung benachteiligt werden: Derzeit besuchen laut UNICEF etwa 34 Millionen Mädchen im Grundschulalter keine Schule. Für Jungen trifft dies auf 29 Millionen zu. Das kann daran liegen, dass viele Familien sich aufgrund sozialer Rollenzuschreibungen dazu entscheiden, eher ihren Sohn als ihre Tochter zur Schule zu schicken.

Das größere Problem ist jedoch, dass Mädchen und junge Frauen vielerorts nach wie vor nicht dieselben Rechte und Freiheiten haben wie Jungen. Zudem sind Mädchen mit zahlreichen Tabuisierungen konfrontiert – so auch mit der ihrer Periode. Kulturelle Zuschreibungen und der oftmals fehlende Zugang zu Hygieneprodukten und sicheren sanitären Einrichtungen an Schulen führen dazu, dass viele Mädchen mit dem Einsetzen ihrer Periode die Schule abbrechen. Um Bildung für alle Kinder – unabhängig vom Geschlecht – zu gewährleisten, muss die Gleichberechtigung in Gesellschaften weltweit gestärkt und gesetzlich verankert werden.

5. Krisen und bewaffnete Konflikte: Bildung muss sicher sein

Bildung ist eine der mächtigsten Waffen und kann gesellschaftlichen Fortschritt initiieren – und wird daher teilweise von radikalen religiös motivierten Gruppen als Bedrohung wahrgenommen. In bewaffneten Konflikten kommt es immer wieder zu gezielten Angriffen auf Schulen oder Entführungen von Schulkindern. Bis Schulen nach solchen Attacken wieder zu sicheren Orten werden, können Jahre vergehen. Zudem sehen sich viele Familien in solch oftmals lebensbedrohlichen Situationen zur Flucht gezwungen. Dadurch müssen viele Kinder aufgrund bewaffneter Konflikte ihre Schulausbildung pausieren. Ihnen gehen wertvolle Bildungsjahre verloren, einige von ihnen kehren nie wieder in die Schule zurück. Der Schutz von Kinderrechten, insbesondere Bildung, muss daher auch in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik fest verankert werden.

Krisen und humanitäre Notlagen erschweren Kindern ebenfalls den Zugang zu Bildung. Die negativen Auswirkungen der Corona-Krise im Bereich der Bildung werden noch lange Zeit spürbar sein: Schon jetzt haben Kinder auf der ganzen Welt ein Drittel des weltweit üblichen Schuljahres verloren.

Die Klimakrise ist eine weitere und akut wachsende Bedrohung. Denn durch den menschengemachten Klimawandel nehmen Wetterextreme wie Überschwemmungen, tropische Wirbelstürme und Dürren weltweit zu. Die daraus resultierenden Folgen sind vielerorts Hunger und Armut – und begünstigen damit zentrale Hürden, die Kinder von einem erfolgreichen und sicheren Schulbesuch abhalten.

Autor:
Pia Gralki | Save the Cildren
Quelle:
Kategorie:
Bildung Bildung für Frauen und Mädchen Förderung von Mädchen und jungen Frauen Kinder in bewaffneten Konflikten Recht auf Bildung Aktuelles Save the Children Deutschland e.V.