"Wir müssen Kindern keine Stimme geben, sondern Erwachsenen nur die richtigen Ohren"

GIZ und Plan International bekennen Farbe zu Kinderrechten am Weltmädchentag

Zum Anlass des Weltmädchentages wurde die Berliner GIZ-Repräsentanz pink angestrahlt.

Am Vorabend des Weltmädchentages erstrahlte die Berliner GIZ Repräsentanz in Pink. GIZ und das Kinderhilfswerk Plan International wollten an diesem besonderen Tag Farbe bekennen: für Kinderrechte und die gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen! Deshalb luden GIZ und Plan International am 10. Oktober 2018 ein zur Veranstaltung „Jeder sagt, wir sind die Zukunft. Dann gebt sie uns auch! – Kinder und Jugendliche in der Entwicklungszusammenarbeit“. Als Panellistinnen der interaktiven Podiumsdiskussion waren die Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Dr. Maria Flachsbarth, und Schauspielerin und Plan-Botschafterin Dana Golombek geladen.

Das interessierte Fachpublikum aus ca. 80 Gästen setzte sich aus Mitgliedern des Bundestages, Vertreter/innen der deutschen staatlichen und nichtstaatlichen Entwicklungszusammenarbeit sowie Schüler/innen eines Berliner Gymnasiums zusammen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Kinderrecht auf Meinungsfreiheit und Teilhabe. Dies wurde schon mit den einleitenden Worten der Gastgeberin Karin Kortmann (GIZ) klar, die durch eine sympathische Videobotschaft von Kindern aus Honduras verstärkt wurden: „Hola von Honduras nach Berlin! Uns freut es sehr, dass Sie sich heute versammelt haben, um über Kinderrechte zu sprechen. Sie schaffen den Rahmen, damit unsere Meinung ernst genommen wird. Denn unsere Meinung ist ein wertvoller Schatz!“

Die Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth bekräftigte, dass Kinderrechte Leitprinzip der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind und belegte dies mit ersten Ergebnissen des BMZ-Kinderrechts-Aktionsplans „Agents of change“. Das BMZ fördert rund 300 Maßnahmen, die direkt oder indirekt Kinder- und Jugendrechte stärken – die Hälfte davon in Afrika und mit einem klaren Fokus auf Gesundheit, Bildung und Beschäftigungsförderung. Dennoch sei, so die Staatssekretärin durchaus kritisch, bei der Umsetzung von Kinderrechten im BMZ „noch Luft nach oben“. Das Stichwort hieße „changing minds“. Eine breitenwirksame Verankerung und das Mainstreaming des Kinderrechtsansatzes sei notwendig, um das Potential der jüngsten Weltbevölkerung aller Zeiten für eine nachhaltige Entwicklung in den Partnerländern zu fördern. Vor allem in Zeiten von weltweiten Krisen bräuchten Kinder und besonders Mädchen sichere Räume, in denen sie sich entfalten und zu verantwortungsvollen Bürger/innen entwickeln können.

In einer Podiumsdiskussion stellten sich Parlamentarische Staatsekretärin im BMZ Flachsbarth und Schauspielerin Golombek kritischen Fragen aus dem Publikum.

Die Moderatorin Tanja Samrotzki fokussierte die Diskussion gekonnt auf das oftmals vergessene Kinderrecht, Meinungen frei zu äußern, gehört und aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt zu werden. Wie wichtig dieses Kinderrecht ist und wie es in der Praxis umgesetzt wird, veranschaulichte Plan-Botschafterin Dana Golombek mit eigenen Erfahrungen aus Projekten von Plan International. Gastrednerin Wadzanai Motsi-Khatai aus Simbabwe bereicherte die Diskussion mit aktuellen Beispielen von jungen ostafrikanischen Aktivist/innen und Unternehmer/innen. Politische Teilhabe von jungen Menschen sei nur möglich, wenn die Politik sich auch neuen Kommunikationswegen und Ausdrucksmöglichkeiten öffne. „Entweder junge Menschen müssen sich an die Politik anpassen oder die Politik an sie. Ich bin für die zweite Option“, so Motsi-Khatai.

Flachsbarth erklärte anhand von Projektbeispielen, wie die deutsche Entwicklungszusammenarbeit das Partizipationsprinzip der Kinderrechtskonvention umsetzt. In Tunesien und Marokko wurden Jugendliche an kommunalen Entscheidungsprozessen beteiligt. Jugendliche in Kambodscha erlernten die kritische und bewusste Nutzung sozialer Medien und erhielten dadurch mehr Teilhabemöglichkeiten. In Honduras erstellten Kinder eine nationale Verordnung zur Schülerbeteiligung, die nun landesweit implementiert wird .

Alle Pannelistinnen waren sich einig, dass die gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen und Bildung ein Schlüssel für nachhaltige Entwicklung und erfolgreiche Armutsbekämpfung ist. Der Weltmädchentag sei ein guter Anlass, auf die besondere Situation dieser Gruppe aufmerksam zu machen, so Maike Röttger, vorsitzende Geschäftsführerin von Plan International Deutschland.

Die 17jährige Sprecherin des PLAN-Jugendbeirats, Paula Janßen, bewies, dass Jugendliche Politik mitgestalten wollen und können.

Im Anschluss diskutierten Pannelistinnen und das interessierte Publikum über Chancen und Herausforderungen, wenn junge Menschen beteiligt werden. Schüler/innen des Berliner Gymnasiums machten darauf aufmerksam, dass Bildung und der familiäre Hintergrund eine wichtige Rolle spielen, wenn es um ihre Teilhabe gehe. Die 17jährige Sprecherin des Jugendbeirats von Plan International, Paula Janßen, bewies mit gezielten Fragen an die Staatssekretärin, dass Jugendliche bereit und fähig sind, Veränderungen in der Politik mitzugestalten. Die Vertreter/innen der Zivilgesellschaft betonten, dass Kinderrechte von Anfang an in der Planung von Entwicklungsprojekten mitgedacht werden müssten. Eine Stimme aus dem Publikum brachte es mit einem Kommentar auf den Punkt: „Wir müssen Kindern keine Stimme geben, sondern Erwachsenen nur die richtigen Ohren, damit sie auf sie hören.“ 

Jugendliche eines Berliner Gymnasium wollten von der Staatssekretärin wissen, was sie für Teilhabe von jungen Menschen unternimmt.

Die Veranstaltung bot eine Möglichkeit, die Bedeutung von Kinderrechten in der Entwicklungszusammenarbeit hervorzuheben und zu veranschaulichen, welche Erfolge in diesem Bereich zu verzeichnen sind – aber eben „mit Luft nach oben.“
 

Weitere Informationen von Plan International


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Autor: Felicitas Eser | infokinder-und-jugendrechte.de | erstellt im Oktober 2018 Die Inhalte dieses Artikels geben die Meinung des Autors und nicht notwendigerweise die der GIZ oder des BMZ wieder.