Internationaler Jugendworkshop zum 30. Jubiläum der Kinderrechtskonvention „We have a say in German Development Cooperation!”

 

Sprache und Herkunft der Jugendlichen waren unterschiedlich, doch das Ziel das Gleiche:  Kinderrechte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu stärken! Im Auftrag des BMZ veranstaltete das GIZ Sektorprogramm „Menschenrechte inklusive Kinder- und Jugendrechte“ zum 30. Jubiläum der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen den internationalen Jugendworkshop „We have a say in German Development Cooperation!“ am 27. und 28.11.2019 in Berlin. Unterstützt wurde es dabei durch das Deutsche Institut für Menschenrechte.

Zu diesem Anlass reisten 18 Jugendliche aus Indonesien, Guatemala, Lesotho, Libanon, Madagaskar, Peru, den Palästinensischen Gebieten, Ruanda und den unterschiedlichsten Regionen in Deutschland an. Für viele war es die erste Reise außerhalb ihres Landes bzw. ihrer Stadt. Im Gepäck hatten sie Ideen, Energie und eine Menge Erfahrungen im Bereich Kinderrechte. Denn alle Jugendlichen engagieren sich in Kinderrechtsprojekten der GIZ bzw.  deutschen Verbänden oder zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die erwachsenen Begleitpersonen aus den GIZ Auslandsvorhaben und Partnerorganisationen bereicherten den Workshop durch ihre Arbeitserfahrung, hielten sich aber auch nicht zurück, wenn die interaktiven Methoden zum Singen oder Theater spielen aufforderten.  

„Get up, stand up! Stand up for your rights!“, tönte es zu Beginn des Workshops durch den gemütlichen Saal in Berlin Neukölln. Der Song von Bob Marley passte hervorragend, denn schnell wurde klar: die Teilnehmenden kamen zwar aus unterschiedlichen Kontexten, doch alle waren sie hier, um für Kinderrechte einzustehen. Dies griff auch Dr. Heike Kuhn, Leitung des BMZ-Referats „Menschenrechte; Gleichberechtigung der Geschlechter; Inklusion“ in ihren Begrüßungsworten auf. Durch den Workshop führte das Team des GIZ-Sektorprogramms Menschenrechte, das hierfür jugendgerechte Methoden vorbereitetet hatte. So brachten die Jugendlichen z.B. Gegenstände mit, die symbolisch für Kinderrechtsverletzungen in ihrer Heimat standen. Diese platzierten sie auf einer Weltkarte, was vor Augen führte, dass Kinderrechtsverletzungen täglich und überall stattfinden.

Mit Herzblut und Professionalität diskutierten die jungen Teilnehmenden, wie deutsche Entwicklungszusammenarbeit Kinderrechte stärker verankern und feste Strukturen schaffen kann, damit die Stimme von Kindern und Jugendlichen Eingang in die Politik findet.  Sie waren sich einig: nur wenn Kinder und Jugendliche – die Mehrheit der Weltbevölkerung von heute und morgen – Entwicklungszusammenarbeit mitgestalten, kann diese nachhaltig sein.

Der Jugendworkshop war Anlass für das BMZ und die GIZ, um Bilanz zu ziehen. Von August 2018 bis August 2019 hatte das GIZ-Sektorprogramm Menschenrechte über den Wettbewerb „Agents of Change – Innovation für Kinder – und Jugendrechte“ acht GIZ-Pilotprojekte gefördert und dabei große Wirkungen erzielt. Einige der Pilotprojekte haben die Ansätze in Folgemaßnahmen in den GIZ Vorhaben verankert. Besonders spannend wurde es, als die Jugendlichen von ihren Erfahrungen und Ergebnissen aus den Projekten berichteten. Dies geschah durch Präsentationen mit selbstgedrehten Kurzfilmen, Rollenspielen, einem Lied oder einer Live-Videoschaltung nach Indonesien.

Ein paar Eindrücke: Der junge Parlamentarier Gilardy und die Kinderrechtsaktivistin Génériqua aus Madagaskar hatten einen Poetry-Slam zur Bedeutung von Geburtenregistrierung vorbereitet. Das Projekt „Bürger/innen von morgen“ sensibilisierte die Bevölkerung über die Bedeutung von Geburtenregistrierung und ermöglichte die Registrierung von über 8500 Kindern. Aus Lesotho  berichtete der Hirtenjunge Lebohang, wie er sich als peer educator in das Projekt eingebracht hatte und was es für ihn persönlich bedeutete. Dieses Projekt widmete sich der besonders marginalisierten Gruppe von Hirtenjungen aus zwei Perspektiven: als Opfer von Ausbeutung und Gewalt und als Täter von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Mercy vom Kinderradio Manuelito in Peru berichtete, wie über 100 Kinder und Jugendliche in Radio- und Filmproduktion geschult wurden und nun eigene Radiosendungen erstellen, um die Bevölkerung zu Kinderrechten zu sensibilisieren und auf Missstände in ihrem Land aufmerksam zu machen. Mit ihren Sendungen wurden bisher 208.000 Personen erreicht.

Ein weiteres Ziel des Workshops war, das Konzept für einen BMZ Jugendbeirat partizipativ zu erarbeiten. Hierfür wurde im Oktober 2019 eine Task Force gegründet, die sich aus neun Jugendlichen zusammensetzt und seitdem das Ministerium zur Einrichtung eines Jugendbeirats berät. Die Mitglieder der Task Force stellten den internationalen Jugendlichen ihre Ideen zum Jugendbeirat vor und holten sich weitere Meinungen ein. Dabei verdeutlichten sie, dass der Jugendbeirat vor allem die Stimmen von Kindern und Jugendlichen aus den Partnerländern vertreten möchte. Wie dies aussehen könnte, erarbeiteten alle Jugendlichen gemeinsam in einem Welt Café.

Nach zwei Workshop-Tagen voller Ideen, interkulturellem Austausch und Energie fühlte sich die Gruppe darin bestärkt, weiterhin für eine stärkere Umsetzung von Kinderrechten in der deutschen EZ einzutreten. Sie bereiteten deshalb eine gemeinsame Rede vor, die sie an Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller richteten.

Denn einen Anlass gab es dazu: Alle Workshop-Teilnehmenden waren am 28.11.2019 zur Abendveranstaltung „Wir stoppen Kinderarbeit – 30 Jahre Kinderrechtskonvention“ im BMZ Berlin eingeladen. Im Publikum saßen ca. 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, internationalen Organisationen sowie Kinder und Jugendliche. An diesem Abend standen alle Jugendliche überzeugend für ihr Recht auf Partizipation ein: Sie wandten sich an Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und trugen die gemeinsame vorbereitete Rede wirkungsvoll vor. Alle Jugendlichen standen den Rednern zur Seite – bildlich sowie in der Sache vereint. Ihre gemeinsame Botschaft war deutlich: "Das BMZ brauche mehr Programme, entsprechendes Budget oder sogar eine Sonderinitiative für Kinderrechte zur Förderung von Beteiligung von Kindern und Jugendlichen."

Dieses Ereignis schweißte die Gruppe zusammen. Es folgte ein gemeinsames Freizeit- und Sightseeing-Programm in Berlin sowie eine Fahrt nach Bonn. Schließlich stellten die Jugendlichen und Begleitpersonen während eines Mittagsgesprächs am 02.12.2019 im BMZ in Bonn Ergebnisse und Wirkungen ihrer Projekte vor.

Nach den letzten aufregenden Momenten neigte sich der Austausch dem Ende zu und es war Zeit, Abschied zu nehmen. Die Jugendlichen gingen gestärkt in ihre Heimatländer zurück. In ihren Abschlussworten hoben sie hervor, dass sie weiterhin ihre Rechte einfordern werden. Diese Erfahrung habe ihnen gezeigt, dass sie nicht alleine sind. Mit ihren neuen Freund*innen aus verschiedenen Teilen der Welt bleiben sie mithilfe der digitalen Medien verbunden. Gemeinsam wollen sie an einem Strang ziehen und in ihren Heimatländern Überzeugungsarbeit für Kinderrechte leisten. Sie wollen Gleichgesinnte inspirieren und Andersgesinnten Alternativen aufzeigen. Das bedeutet internationale Entwicklungszusammenarbeit! 

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Autorinnen: Felicitas Eser und Laura Düppe,
Sektorprogramm „Menschenrechte einschließlich Kinder- und Jugendrechte umsetzen in der Entwicklungszusammenarbeit“

erstellt im Dezember 2019

Impressionen