Klimawandel; Umwelt- und Ressourcenschutz

Wichtige Politikfelder für die Umsetzung von umweltbezogenen Kinder- und Jugendrechten

Gesundheit

Bei Kindern unter fünf Jahren sind die häufigsten Todesursachen Lungenentzündung (18 Prozent), Tod durch Frühgeburt (17 Prozent), Erstickung bei der Geburt (11 Prozent), Durchfallerkrankungen (10 Prozent), Malaria (7 Prozent) und andere (37 Prozent). Nach Schätzungen stehen rund 45 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren im Zusammenhang mit Unter- und Mangelernährung von Mutter und Kind. Dementsprechend wirken sich beispielsweise der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung, mangelnde Hygiene sowie Luftverschmutzung in Innenräumen besonders negativ auf den Gesundheitszustand von Kindern aus. Um die Kindergesundheit zu verbessern. bedarf es daher nebejn der Verbesserung der Gesundheitsdienste auch sektorübergreifender Ansätze zur Veränderung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen von Müttern und ihren Kindern.

Für Kinder sind nicht nur vereinzelte, größere Industrieunfälle oder Lebensmittelvergiftungen lebensbedrohlich, wie beispielsweise die Verseuchung von Babynahrung mit Melamin in China im Jahr 2008. Vielmehr weist die WHO auf langjährige Schadstoffbelastungen in Erde, Luft und Trinkwasser hin, die - oft von Entscheidungsträgern ignoriert - Millionen von Kindern irreversibel in ihrer Gesundheit und Entwicklung schädigen. Dazu gehören die Belastung durch radioaktive Strahlung ebenso wie Überdosierungen von Fluor und Arsen, die vor allem in Südostasien vorkommen.

Durch Umweltzerstörung entstandene gesundheitliche Schäden bei Kindern sind allgemein sehr gut dokumentiert. Die WHO ist der wichtigste Akteur in diesem Feld: sie hat sowohl umweltrelevante Gesundheitsindikatoren als auch einen internationalen Aktionsplan verabschiedet. Zusätzlich erstellt sie "Nationale Profile", um schneller und umfassender Daten erheben und umweltverursachte Krankheiten identifizieren zu können. Geberländer können künftig sowohl die regelmäßige Berichterstattung durch die Entwicklungsländer als auch die Datenerhebung für die "Nationalen Profile" unterstützen (www.who.int/ceh/profiles).

In Zukunft sollte ebenfalls beobachtet werden, welche weiteren Krankheiten durch den Klimawandel und degradierte Ökosysteme entstehen und eine Gefährdung auch für Kinder und junge Menschen darstellen.

Neben umweltbezogenen Risiken bietet die Natur aber auch ein großes Potential zur Gesundheitsförderung, insbesondere armer Menschen. Zum Beispiel durch Zugang zu Heil- und Medizinalpflanzen. Diesen Zugang gilt es zu schützen.

Der Beitrag der deutschen Entwicklungspolitik zur Verringerung ökologischer Gesundheitsschäden bei jungen Menschen umfasst eine Vielzahl von Ansätzen. So beteiligt sich Deutschland zum einen an internationalen Prozessen zur Armutsbekämpfung und zur Erreichung der MDGs. Zum anderen werden im Rahmen der bi- und multilateralen Zusammenarbeit wirksame Strategien unter anderen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Senkung der Kindersterblichkeit unterstützt; letztere zum Beispiel durch die Bekämpfung von Infektionskrankheiten sowie durch lmpf- und Ernährungsprogramme. Außerdem führt die deutsche staatliche Entwicklungszusammenarbeit vielfältige Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes im Katastrophenmanagement durch. Zur Stärkung der Resilienz der Bevölkerung ist beispielsweise eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Themen der Katastrophenprävention notwendig. Hierzu gehört unter anderem die Entwicklung von Curricula in Schulen, damit Kinder im Fall von Naturkatastrophen richtig reagieren. Neben diesen spezifischen Maßnahmen unterstützt Deutschland vor allem Ansätze zur Gesundheitssystemstärkung, Maßnahmen zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte und ebenso sektorübergreifende Ansätze unter anderen in den Bereichen Wasser, Ernährung, Soziale Sicherung und Haushaltsenergie.

  • Für eine wirksame und nachhaltige Verbesserung der Situation umweltbedingter Kindererkrankungen ist es wichtig, das Recht auf Gesundheit in menschenrechtsbasierten Instrumenten und Programmen des BMZ (rights based approach) zu verankern und es unter Berücksichtigung intersektoraler Ansätze zu verwirklichen.

Bildung

Bildung hat eine zentrale Bedeutung für Entwicklung: "Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern" ist Inhalt des vierten SDGs. Bildung ist zugleich ein wesentliches Mittel, um die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 insgesamt zu erreichen. Sie ist Voraussetzung und Instrument, um Armut zu überwinden. Durch Aufklärung, Bildung und Forschung kann beispielsweise die Kindersterblichkeit gesenkt, die Gesundheit von Müttern verbessert und HIV/AIDS bekämpft werden. Bildung befördert nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Umwelt- und Ressourcenschutz vor Ort. Darüber hinaus unterstützt Bildung eine alters- und entwicklungskonforme Beschäftigung. Bildung ist somit ein Katalysator für weitere entwicklungspolitische Ziele wie gute Regierungsführung, den Klimaschutz, die Nutzung erneuerbarer Energien. Gesundheit, nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und Ernährungssicherung. Durch Bildung wird die Möglichkeit zur Partizipation am politischen Geschehen und zur Verwirklichung von Rechten gestärkt. Bildung verbessert weltweit die Lebensbedingungen. Sie hilft die Folgen globaler Krisen (z.B. Klimawandel, Nahrungsmittelkrise oder Finanzkrise) zu mildern. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für die nachhaltige Gestaltung von Globalisierung.

Die Beziehungen zwischen Lebensstil, Umweltqualität und einer gerechten Verteilung der Ressourcen mit Fragen des Klimawandels und dem Umgang mit den Ressourcen Wasser und Energie sind eng mit Bildung verbunden und sollten auch außerschulisch thematisiert werden. Bildung gibt Lernenden Wissen und Kompetenzen mit auf den Weg, die notwendig sind, eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft in Hinblick auf eine intakte natürliche Umwelt aktiv zu gestalten. Bildung verbessert Chancen auf nachhaltige Entwicklung - in jedem einzelnen Land ebenso wie im globalen Maßstab. Bildung ist also ein strategischer Schlüssel für Entwicklung.

Die Förderung der freien Meinungs- und Bewusstseinsbildung, die Sicherung des Zugangs zu umweltbezogenen Informationen und Rechten, aber auch die Sensibilisierung von Multiplikatoren und Entscheidungsträgern über umweltbezogene Kinder und Jugendrechte sind wichtige Themen im Bildungskontext. Kinder und Jugendliche sind dabei nicht nur Betroffene, sondern auch Akteure des politischen Wandels für besseren Klimaschutz und für eine effektive Anpassung an den Klimawandel. Damit sie ihr Recht auf Meinungsbildung und Mitgestaltung ihrer sozialen Umwelt kennen lernen und verwirklichen, müssen Voraussetzungen geschaffen werden.

Zur Stärkung von umweltrelevanten Kinder- und Jugendrechten trägt die entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Inland bei. Im Rahmen der bis 2014 andauernden UN-Dekade "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" der UNESCO unterstützt das BMZ Lern- und Austauschmöglichkeiten für Entscheidungsträger und Jugendliche in Deutschland (www.bne-portal.de). Viele Projekte der bundesweiten Initiative zum "Globalen Lernen" (www.globaleslernen.de) machen auf die Auswirkungen unseres Handelns auf den Klimawandel, die biologische Vielfalt, das Erreichen nachhaltiger Entwicklung und letztendlich auf die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern aufmerksam.

  • Die Stärkung sämtlicher Formen von Bildungsangeboten, von der Grundbildung über die Sekundarbildung und die berufliche Bildung bis hin zur Hochschulbildung und Angeboten der non-formalen Aus und Weiterbildung, ist Ziel deutscher Entwicklungszusammenarbeit.

Klimawandel; Umwelt- und Ressourcenschutz

Um ihren Lebensunterhalt sichern zu können, sind derzeit rund 350 Millionen Menschen abhängig von bestehenden Wäldern. Dies ist nur ein Beispiel für die bedeutende Rolle, die Biodiversität für die Sicherung der Lebensgrundlagen spielt. Entwaldung, die Kommerzialisierung von Wild nahrungsmittel, der Verlust von Anbauflächen durch Erosion und Überschwemmungen bedrohen die biologische Vielfalt und damit die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften. Ob durch den Klimawandel oder durch industriellen Raubbau: Kinder und junge Menschen sind insbesondere als Mitglieder einer indigenen oder ruralen Gemeinschaft unmittelbar von der Zerstörung natürlicher Ressourcen betroffen. Häufig sind Kinder verantwortlich für das Kleinvieh und helfen bei der Versorgung der Haushalte mit Wasser, Brennholz und Tierfutter. Die Verknappung von Trinkwasserquellen bedeutet in erster Linie eine Mehrbelastung durch erheblich längere Wege. Größere Entfernungen vom Haus kosten nicht nur wertvolle Zeit, die Kindern für die Schulbildung fehlt, sondern setzen sie auch einer größeren Gefahr sexueller Übergriffe aus.

Durch die Zerstörung der den Lebensunterhalt sichernden natürlichen Ressourcen, der biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen, werden vor allem Kinder und junge Menschen in ihren Rechten auf gesunde Ernährung und sauberes Trinkwasser, Gesundheit, Bildung, Wohnen und auf kulturelle Identität verletzt.

Der Verlust der Vielfalt der Natur beschränkt nicht nur die Entwicklungsmöglichkeiten heutiger Generationen, sondern bedroht auch das Innovationspotential kommender Generationen. Ohne den Erhalt genetischer Ressourcen beispielsweise ist die Entwicklung von wichtigen neuen Medikamenten nicht möglich.

Das Engagement der deutschen Entwicklungszusammenarbeit für den Erhalt von biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen verfolgt daher u.a. das Ziel, jungen Menschen eine gerechte Teilhabe an den Leistungen der Natur zu ermöglichen. Sie vor Gefahren, die von der Zerstörung der Umwelt ausgehen, zu schützen und Entwicklungschancen künftiger Generationen zu erhalten. Die Konvention über die biologische Vielfalt aus dem Jahr 1992 ist hierfür eine wesentliche Leitlinie.

Die deutsche staatliche Entwicklungszusammenarbeit leistet seit vielen Jahren nicht nur direkt im Kinder und Jugendsektor, sondern auch in den umweltpolitisch relevanten Handlungsfeldern wichtige Beiträge, um die verletzliche Gruppe der armen Kinder und Jungendlichen hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit (resilience) und in ihren Handlungsmöglichkeiten gegenüber einer wachsenden Umweltbelastung zu stärken. Die Folgen des Klimawandels und des Verlusts der biologischen Vielfalt, die vor allem die Entwicklungsländer und dort die arme Bevölkerung ungeschützt treffen, stellen in diesem Zusammenhang eine wachsende Herausforderung dar.

Prognosen zeigen, dass die Auswirkungen des Klimawandels in den kommenden 40 Jahren zu einer Erhöhung der Zahl unterernährter Kinder in Afrika um 10 Millionen auf über 5O Millionen führen werden. Die größten Bedrohungen einer gesunden kindlichen Entwicklung - Unterernährung, Malaria und Diarrhöe - nehmen bereits jetzt durch einen schleichenden Temperaturanstieg und Starkregenfälle zu.

Das Rahmenübereinkommen der VN über Klimaänderungen von 1992, das Kyoto-Protokoll von 1997 und der Bali-Aktionsplan von 2007, sind wesentliche Grundlagen für die Vorhaben der deutschen Entwicklungspolitik, um die Verwundbarkeit der armen Bevölkerung, d.h. auch der jungen Menschen durch Anpassungsmaßnahmen (adaptation) zu verringern. Auch ökosystem-basierte Anpassungsmaßnahmen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Wenige Akteure in der Entwicklungspolitik setzen sich bei der Diskussion zentraler Zukunftsfragen von Klimawandel, Klimaschutz, Anpassung und Erhalt der Biodiversität bislang aktiv dafür ein, dass explizit die Rechte von Kindern und Jugendlichen in der armutsorientierten Klima- und Biodiversitätspolitik berücksichtigt und ihre Möglichkeiten wirkungsvoller Partizipation gestärkt werden.

Multilateralen Klimafonds, wie z.B. der 2010 in Cancun beschlossene Grüne Klimafonds, aber auch längerfristig bestehende internationale Politikinstrumente für armutsorientierte Klimaanpassung, wie die Nationalen Anpassungsprogramme (NAPAs) und Nationale Biodiversitätsstrategien sowie der Ökosystem ansatz könnten geeignet sein, entsprechende rechtsbasierte Ansätze für Kinder und Jugendliche in der Entwicklungszusammenarbeit zu prüfen. Bislang haben derartige Ansätze jedoch kaum Eingang in die bi- und multilateralen Finanzierungsmechanismen gefunden.

Das britische Netzwerk "Children in a Changing Climate (CCC)", das sich für die Rechte von Kindern in Bezug auf den Klimawandel einsetzt, fordert deshalb einen zweigleisigen Weg der Pflichtenträger bzw. der Regierungen: Einerseits sollen der Klimawandel und seine Folgen in der (inter-)nationalen Programmen und Strukturen zur Stärkung von Kinderrechten berücksichtigt werden. Zum Beispiel durch fallorientierte oder regionale Untersuchungen. Andererseits wird gefordert, eihe Kinderrechtsperspektive in regionale, nationale und lokale Anpassungsprogramme und in die Anpassungsfinanzierung zum Klimawandel zu integrieren.

Anlässlich der Vertragsstaatenkonferenzen der Biodiversitätskonvention fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Internationalen Jugendgipfeln den Austausch und die gemeinsame Entwicklung und Präsentation von Ideen und Zukunftsvisionen.

  • Die Schärfung des Bewusstseins für die kinder- und jugendrechtliche Dimension des Klimawandels und für die Folgen des global voranschreitenden Verlusts von Biodiversität ist bei allen relevanten entwicklungspolitischen Entscheidungsprozessen notwendig.

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Weiter: Handlungserfordernisse der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit

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Quelle:

Kinder- und Jugendrechte konkret
Informationen zu den Rechten junger Menschen in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit

S. 49ff.

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Good Practice: Umweltmanagement an Schulen

Ein Vorhaben der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Peru führt Kinder und Jugendliche an den Schutz der Umwelt und die Prinzipien von 'Ökoeffizienz' heran. Durch eigenständiges Handeln werden sie bereits in der Schule für den Erhalt und verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen sensibilisiert. So tragen sie als aktive Partner dazu bei, das Umweltmanagement an staatlichen Schulen zu fördern.