Ernährungssicherung

Täglich sterben rund 8.500 Kinder an den Folgen von Hunger und Mangelernährung – jeder zweite Sterbefall von Kindern weltweit geht darauf zurück. Hunger ist nicht nur das größte Gesundheitsrisiko, sondern auch eines der größten Entwicklungshemmnisse. Er trägt zu Flucht und Vertreibung bei, fördert Perspektivlosigkeit und Gewalt. Wo Hunger herrscht, sinken Produktivität und Wirtschaftskraft und es wird für Menschen immer schwieriger, sich aus eigener Kraft aus dieser Situation zu befreien.

Bei vielen Menschen in Entwicklungsländern steht Tag für Tag kaum mehr auf dem Speiseplan als Reis, Mais oder Weizen. Diese einseitige Ernährung liefert zwar Energie, doch es fehlen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essenzielle Fettsäuren und Eiweiße. Eine solche Mangelernährung wird als "versteckter Hunger" bezeichnet. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist Schätzungen zufolge davon betroffen.

Auf Dauer ist auch versteckter Hunger gefährlich: Die Betroffenen werden geschwächt und anfälliger für Krankheiten. Umgekehrt brauchen gerade Kinder eine ausgewogene Ernährung, um ihr Immunsystem zu stärken.

Ein Mangel an Nährstoffen während der Schwangerschaft schädigt Kinder bereits im Mutterleib. Die ersten 1.000 Tage nach der Empfängnis sind entscheidend für die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes. Der Mangel an Jod während der Schwangerschaft ist zum Beispiel eine der häufigsten Ursachen für geistige Behinderungen bei Kindern. Ca. 1,5 Milionen kinder sind blind. Etwa 70 Prozent der Erblindungen lassen sich auf Unter- und Mangelernährungen während der Kindheit zurückführen und wären vermeidbar gewesen.
 

Wissenschaftler des Copenhagen Consensus Center, darunter zwei Nobelpreisträger haben im Rahmen der Agenda 2030 19 Unterziele identifiziert, die den größten Nutzen pro eingesetztem Dollar erbringen sollen und kommen unter anderem zu dem Schluss: „Ein exzellentes Entwicklungsziel ist der Kampf gegen die Unterernährung von Kindern. Natürlich verdienen Menschen aller Altersgruppen eine ausreichende Ernährung. Doch gerade für Kinder ist sie besonders wichtig und kritisch. Gute Ernährung lässt die Gehirne und Muskeln der Kinder sich besser entwickeln und bringt ihnen lebenslange Vorteile. Studien zeigen: Gutgenährte Kinder bleiben länger in der Schule, sie lernen länger und sind als Erwachsene produktivere Mitglieder der Gesellschaft. Nach einer Modellrechnung könnte eine bessere Versorgung für fast hundert Millionen unterernährte Kinder über ihren Lebenszyklus je ausgegebenem Dollar rund 45 Dollar Ertrag – zusätzliches Einkommen und Einsparungen von anderen Kosten – bringen.“

EINEWELT ohne Hunger ist möglich

Die Staatengemeinschaft der G7 hat sich zum Ziel gesetzt, 500 Millionen Menschen bis zum Jahr 2030 aus Hunger und Mangelernährung zu befreien. Die Beendigung des Hungers und der Mangelernährung zählt auch zu den international vereinbarten Entwicklungszielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Mit der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" trägt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Das BMZ investiert jährlich rund 1,5 Milliarden Euro in die Schwerpunkte Ernährungssicherung und ländliche Entwicklung.

Die Sonderinitiative wird in Partnerländern aktiv, die besonders von Hunger und Mangelernährung betroffen sind. Der durchschnittliche Anteil der Unterernährten liegt in den Schwerpunktländern der Sonderinitiative bei 21 Prozent.

Ein Schwerpunkt der Sonderinitiative ist die Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Sie hat die größten Potenziale, um zukünftig ausreichend Nahrung für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren, denn sie stellt die meisten Agrarbetriebe in Entwicklungsländern. Zumeist arbeitet sie noch mit einfachen Mitteln und ohne moderne Methoden. Hier lässt sich also viel bewirken in Bezug auf Ertragssteigerungen und Armutsbekämpfung. Frauen spielen bei der Ernährungssicherung, der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung eine Schlüsselrolle.

Wenn arme Kleinbauernfamilien mehr ernten und mehr verkaufen, so hilft das nicht nur den Bauernfamilien selbst, sondern es kommen insgesamt mehr und bezahlbare Nahrungsmittel auf den Markt – ein Schritt zu mehr Ernährungssicherheit.

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